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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![voD der Einsicht und Energie der V^ölker selbst ab. Auch entspricht deshalb das Ganze der ölfentlichen Einrichtungen, der (jesezgebung und des Gemeinwesens immer und überall dem Character und Wesen eines Volkes oder mindestens seiner einflussreichsten Classen k Je gebildeter, einsichtsvoller und thatkräftigei' seine Mehrzahl, um so bessere, für’s Gemeinwohl förderlichere Einrichtungen und Geseze wird es sich zu verschaffen und zu erhalten wissen , andere dagegen gar nicht ertragen, so wenig als normale Füsse einen chinesischen Schuh. Um so mehr wird nicht blos Kecht, ächte Menschlichkeit, Bildung und Sittlichkeit blühen sondern auch leildiche Wohlfahrt und Prosperität, dazu mit um so grösserer Gleichförmigkeit durch all seine Classen. Denn Bildung, Einsicht, practische Tüchtigkeit und vor Allem freie Bewegung sind einmal schliesslich die einzigen Mittel zur Wohlfahrt wie zur Gesundheit eines Volkes. Nur Frei- heit erzeugt so die nöthige Energie samt vSelbstbeherrschung und Selbstachtung, weil diese nur möglich sind beim (fefühl eigener Ivraft und Bedeutung; nicht minder sind jene wiederum die ersten Bedingunge]! jeder Freiheit, welche zugleich die Beeilte, .selbst die Ansichten und Gefühle Anderer achten lehrt. Eben,so gewiss sind Völker bei gesunden öffentlichen Einrich- tungen nie schlecht und unsittlich, denn’ nie sind sie dann schlecht erzogen und ungebildet, schon durch die Macht der ölfentliclien Stimme, durch die gleichen Beeilte Aller minder selbstsüchtig, haben auch in Folge ihrer Betheiligung an öffentlichen Augelegeiiheiten u. s.f. weniger Zeit und Sinn für’s Schwelgen. Zudem fördert ja nichts die Achtung vor dem Gesez mehr als dessen Güte, sein Hervorgehen aus dem Bewusstsein wie aus den wahren Interessen eines Volkes. • Umgekehrt kann es in Abhängigkeit und Bevormundung von oben so gut als in Sklaverei und Leibeigenschaft kaum gute Menschen, noch weniger gute Patrioten und Bürger geben, auch ächte Wissen- schaft ,so wenig als Bildung oder ächte, wirksame Beligiosität. Denn wer nur wenig oder gar keine Beeilte hat, keine Freiheit des Han- delns kennt auch gewöhnlich weder Bechtsgefühl noch Pflicht. Und wo jede freiere Bewegung gehemmt ist, wo nur Uebermacht und Willkür gelten, da werden nicht allein Characterlosigkeit, Verstelluno', Erst, Indolenz samt roher Sinnlichkeit und Lastern jeder Art herr- schen sondern auch Trägheit und Ignoranz. Unwissenheit insbe- ^ Schon Ilippocratcs meinte, Regierungen seien wichtig für den Character wie für die Gesundheit der Völker; nur hängen jene von diesen noch mehr ab als diese von jenen. »Gleich Uhren haben sie den Gang, welchen ihnen die Völker geben; wo diese gut, werden jene nicht schlecht sein, und wenn je werden .sie dieselben curiren« (Penn). i I F V](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0834.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


