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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![Schritts mit der Civilisation nahmen aber Krankheiten, Sterbliclikcit mehr und mehr ab ixnd die Tiebensdauer zu, wenn auch nicht .so bedeutend wie man oft sagt. Noch jezt sterben in Europa durchschnittlich von 100 Einw. jählich 2.7 (mit Einschluss der Todtgehorenen, ohne diese 2.5), = 1 von 30, und werden auf 100 Einw. nur 3 Kinder geboren, d. h. der jährliche Zuwachs beträgt kaum ‘/2“/o der Bevölkerung, während diese unter halbwegs normalen Veihältnissen mindestens um l^/o jährlich steigen müsste b Dass aber die Art der Erziehung zu Haus wie des Unterrichts, zumal des öffentlichen von entscheidendem Einfluss nicht blos auf die Au.sbildung sondern auch auf die Gesundheit und Lebensdauer zunächst der .Jugend, weiterhin eines, ganzen Volkes sein werde, erhellt aus Obigem und dem bereits S. 792 ff. Angeführten von selbst, wird auch durch die Erfahrung aller Zeiten und Jjänder bestätigt. Während de.shalb eine gewisse Bildung das Bedürfniss Aller ist, damit Alle fähig werden, nüzliche und ehrenhafte Glieder der Gesellschaft zu sein, blieb zumal jede höhere Bildung noch immer und überall das Monopol AVeniger, und dies ist weder gut noch nothwendig. Finden Avir doch kein Volk so Aveit vor- geschritten , dass alle IGnder auch nur annähernd gleichmässig am Unterricht theilnehmen könnten. .Ja in desjmtischen Ländern und avo Kirche oder Adel herrschen gibt es oft noch heute so gut wie keinen ordentlichen A^olksunterricht. Nirgends ist aber dieser so schlecht als da avo derselbe ganz in den Händen des Clerus liegtIn jedem Jjand entspricht eben Schulbildung, UnterrichtsAve.sen seinen leitenden Principien und GeAvalten, je nachdem derGrundsaz der Bevor- mundung oder der persönlichen Freiheit, der Gleichberechtigung Aller und der Selbstregierung massgelxend i,st. .Je väterlicher, je patriarchalischer, umso schlimmer steht es hiemit; hier sind überhaupt die Völker zugleich am ärmsten und elendesten. Auch in monarcbisqhen Ländern pflegt man den Unterricht auf Dasjenige zu beschr<inken Avas man für jrassend hält und braucht, um gute, gefüge Werkzeuge oder Unterthanen zu erhalten, und hat oft Avenig Mittel übrig für gute Volksschulen. Fi’eiere, einsichtsvollere Völker dagegen A'erwenden den grössten Theil ihrer Einkünfte auf dieselben, Avohl wissend dass ohne gute, Volksbildung weder fl’üchtigkeit für’s Tjelxen, für Production noch für biü’ger- liche Freiheit möglich ist; dass sie allein auch die A^olksmasse befähigt, da.si Alles von sich abzuthun Avas ihr die Hoheit und der AberCTlaulren alter Zeiten] 'i ungleich schlimmer .als wo dieselbe 40 ,J. und mehr beträgt. Immer wiegen dort Kinder, Minderjährige in höherem Gr.ade vor, Avährend doch der Hauptwerth jeder Bevölkerung in Diese [ !l deren mittleren productionsfähigen Altcrsclassen vom 18. —bO. Lebensjahr liegt betragen aber jezt fast überall kaum p4 der Gesamtbevölkerung. * In Frankreich gebären jezt 1000 Frauen nur 115—130 Kinder, bei uns etwr 2 oOO, in England über 500; auch nimmt die Zahl der Ehen wie deren Fruchtbarkeit ai Ol (T« fast überall mehr und mehr ab. Nord-America dagegen wird in 40— 50 Jahren über 100 Millionen Einw. h.aben; überhaupt werden schliesslich nur Völker fortexistiren und sich immer mehr ausbreiten die es verdienen. In Russland z. B. waren noch vor Kurzem Millionen durch’s Gesez von jedem Unter rieht so gut Avie ausgeschlossen, und im früheren Kirchenstaat, in Neapel gab es wohl über 1 50,000 Priester, Mönche, Nonnen,, aber nicht eine gute Volksschule, in Nord-America dagegen über 1 00,000. Auch in England, Frankreich, Oestreich u. a. geht kaum ' s—’/s aller Kinder in die Schule, ‘/:i, oft ’/2 der EinAvohnor kann nicht lesen und schreiben, noch weniger rechnen. Selbst in Preussen sind noch 5—lO'Yo ohne wirkliche Schulbildung, in Nord-America kaum ,3 — 4”/o, und mancher Staat verAvendet hier freiwillig mehr darauf als irgend ein monarchisches Land. Auch die Chinesen • sind aber troz Aveitverbreitetcr t« Bildung und pedantischer Gelehrsamkeit schon in Folge ihrer despotischen Regierung stehen i t geblieben wo sie vor 1000 Jahren Avaren. l'i ui .1 tri d](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0836.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


