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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![Atlnnungsorgaiie, z. B. durcli Leibesübungen, Gymnastik zu Haus, noch besser im Freien, tlurcli Laufen, Feld-, Gartenarbeit u. s. f. Kurz mau verscliatfe sicdi Tag für Tag Erholung, Abwechslung, un- schuldige Freuden und Genüsse, wie und wo es gelien mag. Nur bedenke mau. dass unter diesen lezteren gerade den beliebtesten, der sog. Zerstreuung in Gesellschaft, Knei])en, Schauspielhaus, dem Karteji- spiel u. dgl. der allergeringste Werth zukommt; noch Ijesser schlägtj|j oft Einer den Ball mit seinen Kindern oder spaltet im Nothfall sein Holz. Auch fordert unsere Natur das Einhalten jener Kegeln um so mehr je jünger Einer ist, je schwächlicher oder reizbarer sein ganzes Wesen, je geringer seine geistigen Fähigkeiten oder je weniger sie doch der ihnen zugemutheteii Anstrengung entsprechen. Damit es indess zur richtigen Ausführung von dem Allem komme und Jedem der volle Nuzen davon zu Theil werde thut noch eine Nachhülfe von ganz andern Seiten her Noth. Sehen wir nemlich nach den Motiven, durch welche sich Hunderte zu einem Ignoriren jenei einfachen Lebensregeln bringen lassen, so finden wir neben Unkennt- niss der Gefahren wie der Mittel, sie zu vermeiden, neben Sorglosig-i| keit und Leichtsinn oder Indifferenz ganz besonders gewisse treibendt Leidenschaften und Gelüste, Ehrgeiz, Eitelkeit, Selbstüberhebung, Ri- valität oder den Wunsch, diese und jene Vortheile und Güter zu er- ringen, und zwar möglichst viel, möglichst bald. Wie so häufig wirf^ deshalb auch hier Gesundheits- und Sittenlehre Hand in Hand gehen müssen. Bedarf es doch vor Allem der sittlichen Kraft, der Selbst-I beherrschung und Zähmung jener Triebe, um den Lockungen witl Gefahren geistiger Ueberanstreugung sicherer zu entgehen. Nur ain demselben Wege mögen wir überdies die einmal unentbehrliche Gej müthsruhe samt Geistesfrische mitten im Treiben der Welt um uns her eher zu bewahren hoffen. Denn wer in Ruhe und Frieden mii sich selbst arbeitet, wird dadurch nicht leicht behelligt oder o-ar <ye\-\ steskrank werden, auch nicht durch die grössten Anstreno’uno’en o O O ] Wohl aber sind es unsere Affecte uiicT Leidenschaften mit Genusssucht und Ausschweifungen, welche die grösste Gefahr bringen, und geo’eiy diese alle schüzen am Ende nur eine gewisse philosophische Ruhe fester Character einerseits , Resignation , Alässigung , Bescheidenheil anderseits b ' stille Zurückgezogenheit, wo nicht Einsamkeit war noch immer die Mutter des wahren Genius. Immerhin müssten sich Gelehrte, Schriftsteller hüten, nach andern Ehrei und Vortheilen zu streben als ihnen ihre Wissenschaft, ihre Kunst verleiht. Leicht kom men sie sonst in Contlicte, welche sie am wenigsten ertragen können, oder müssen siel zu Concessionen herbeilassen und Dinge mit in den Kauf nehmen, wie sie ihnen gerad(](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0848.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


