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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![aller Truppen mehr oder weniger ein ungleich sclilechterer und ilire Sterbliclikeit meist erheblich grösser als hei der Civilbevölkerung der- selben Altersclassen, oft sogar grösser als bei CTefangenen oder Pro- letariern und den ungesundesten Fabrikarbeitern. Während z. Ik in Deutschland, Frankreich, England in der Altersclasse von 20—40 Jahren selten mehr denn 8—12 von 1000 sterben, sinkt die Sterb- lichkeit bei den Armeen derselben Länder nicht leicht unter 15—20 p. Mille, d. h. sie ist etwa 2mal, bei manchen Truppen Europa’s ■ sogar 3 und 4mal grösser als bei den andern Classen der Bevölke- rung h Und doch sehen Soldaten meist so stattlich aus als wären ■ sie die Gesündesten von Allen! Erst in neueren Zeiten gelang es, die Gesundheits- und Sterblichkeitsver- hilltnisse bei Truppen durch Hülfe statistischer Erhebungen etwas genauer kennen zu lernen. Jezt aber ist durch Zahlen bewiesen , dass jene stehenden Heere, wie sie in Europa seit Ludwig XIV. aufgekominen, dass jener furchtbare Militärappavat, womit sich dessen Fürsten und Völker so gut als die alten Rö- ! nier seit Tiberius umgeben, nicht blos der Ruin unserer Staaten und ihres Haus- halts, ihrer ganzen Prosperität und Kraft sind sondern auch die Gesundheit, die Wohlfahrt jedes Soldaten, die Officiere nicht ausgenommen, nach Körper wie I Geist und Sitte in hohem Grade gefährden. Dadurch fördert aber unser Mili- I tärwesen das leibliche wie geistig-sittliche Verkommen eines beträchtlichen Theils I dev Bevölkerung, und zwar gerade desjenigen welcher am ehesten befähigt ge- ‘ wesen wäre, durch seine Arbeit, seine Production sich selbst und seiner Familie wie seinem Land ungleich nüzlichere Dienste zu leisten als in der Kaserne und lauf dem Exercierplaz. -Kurz der schlechteste Gebrauch, welchen ein Volk, Noth- '• wehr ausgenommen, von seinen jungen Leuten machen kann, ist sie Soldat ‘•werden zu lassen, und das Verderblichste, was je von Despotie oder Eroberungs- I sucht ersonnen worden , ist dieses moderne Prätarianerthum stehender Heere. Heben sie doch auf die Völker schon mitten im Frieden in jeder Hinsicht nahezu ii denselben schädlichen Einfluss wie der Krieg selbst ^ Frankreich allein verlor 1791 ' Zudem treten Invaliden, krank und dienstuntüchtig gewordene Soldaten beständig I aus und vergrössern somit die Sterblichkeit der andern Classen, während aus diesen 1 ebenso beständig die Gesündesten und Kräftigsten in die Armee übergehen. •* Von je 100 Mann Elfectiv sind im Durchschnitt immer 4—5 krank im Spital, im I Lauf eines Jahres 70 — 120, oft sogar 200, so dass Jeder durchschnittlich 1 — 2mal im TT Jahr erkrankt. Ja es gilt für sehr günstig, wenn wie z. B. in England nur 3—4®/o der jr Mannschaft beständig krank im Spital liegen (Tulloch und Graham, Balfour, stadst. Rep. ■j on the sickness etc. among the troops 1853). Auch die Preussische Armee hatte einst Ijl jährlich über 1 00,000 Kranke (Wasserfuhr, Ilenke's Zeitschr. f. Staatsarzneik. 1857) und 2. ]). 1860 bei einem Effectiv von 1 80,000 Mann monatlich 24—25,000, = 13— 14% (Militärärztl. Zeitg 1860). In Oestreich aber kamen z. B. 1874 auf 230 — 240,000 Mann gegen 2 10,000 Erkrankungsfälle, d. h. durchschnittlich war fast jeder Soldat einmal krank. Jeder Soldat kostet sein Land jährlich mindestens 6—800 Erc, in Frankreich 1000, iu England 500 „F; auf 100 Einwohner kommen aber jezt gewöhnlich 2—3 Soldaten, [und während alle halbwegs Gebildeteren, Einsichtsvolleren nur Frieden wollen, zahlen die [Völker Europa’s trozdem jährlich für etwa 5 Millionen Soldaten über 5 Milliarden Frc, I ganz abgesehen von allen hiemit gegebenen Verlusten für Production, Industrie, Gewerbe, I Handel u. s. f. Immer stehen jezt 4 — 6, oft 10®/o der Altersclassen vom 20.— 40. Jahr • unter Waffen, mit Reserven, Landwehr 20 —30'’/oj einander in einer Zeit, welche so](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0867.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


