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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![])iscip]in lialjcn im Feld noch immer den Sieg davon getragen über rohe Kraft lind Uchermacht. ln dieser Hinsicht kommt dem ganzen System der Aushebung schon des- halb eine hohe Bedeutung zu, weil jede minder tüchtige Mannschaft zuma] im Feld ohne grossen Werth und oft mehr eine Last ist, weil so der Gesellschaft eine Unzahl Männer entzogen würden, welche sich selbst wie ihrem Land auf andere Weise Nüzlicheres hätten leisten können b Dass aber die Pflicht des Militärdienstes, soweit überhaupt davon die Bede sein kann, alle Stände gleich- mässig treffen müsste, und zwar alle Männer einer bestimmten Altersclasse nach einander, liegt sowohl im Interesse der Billigkeit und Gleichheit vor dem Gesez als der Kriegstüchtigkeit einer Armee; nur zu Gunsten der Söhne von Wittwen u. drgl. sind Ausnahmen zulässig. Nicht einmal das System der Stell Vertretung oder Ersazmänner taugt etwas, nicht allein weil hiemit ein Privilegium weiter für bevorzugte, reichere Classen geschaffen und die Zahl waffengeübter Mann- schaft verringert wird sondern auch weil jene Ersazmänner gerade den schlech- testen Lebenswandel zu führen pflegen und die meisten Disciplinarvergehen ihnen zur Last fallen. Weil anderseits das Publicum ganz besonders die lange Dienst- zeit fürchtet, und mit Recht, jeder Gebildetere aber die oft allzu harte Behand- lung, Dressur u. drgl. Calamitäten sonst, müsste auch hier abgeholfen und zu- gleich der Austritt Kränklicher, Massleidiger thunlichst erleichtert werden b Auch mögen wohl diese und ähnliche Verbesserungen , welche derzeit nur h'omme Wünsche sind, im Lauf der Zeit um so eher zur Ausführung gelangen, je mehr einmal die Armeen überall ihre einzige rechtmässige Bestimmung'er- füllen , d. h. ihi- Land gegen Angriff von aussen zu vertheidigen, je weniger sie sich überhaupt als ultima ratio regum misbrauchen und nur als ultimum remedium patriae gebrauchen lassen werden. Auf Volksheere im wahren Sinn des Wortes, d. h. auf Milizen, Landwehren, die jezt allein statt der frühe- ren Fürstenheere erlaubt scheinen, wird Jeder um so eher di-ingen dürfen als solche zu allen halbwegs vernünftigen und berechtigten Zwecken vollkommen ausreichen. Und mögen auch jezt gerade sehr Viele die Sache wieder anders an- sehen, wir in der Hygieine, der natürlichen Gegnerinn jeder menschenmörderi- schen Tendenz und Anstalt, sehen vor Allem nur das Unglück, die Verheeruno-en an Menschenleben und öffentlicher Wohlfahrt durch Kriege wie durch deren stehende, zum Krieg stets bereite Werkzeuge. Weil aber Volksheere in obio-em Sinn nur da bestehen können, wo Regierung und Volk einig oder vielmehr Ems .sind, finden wir sie in keinem monarchischen Land; und statt dass diese Armeen haben, haben vielmehr die Armeen sie. So wie die Dinge stehen, weiss man jedenfalls nicht immer recht, ob sie ihr Volk mehr bedrohen oder schüzen, und thun je nach Umständen das eine wie das andere. Wären jedoch die \ölker selbst civilisirter, klüger, würde es wenig oder keine Kriege mehr geben und somit auch keine Mittel, keine Werkzeuge dazu; sie würden sich lieber durch gegenseitige Zugeständnisse verständigen und jedenfalls selbst durch ihre allen .rossen Fcklherrn ein Gegenstand von der höchsten Wichtigkeit gewesen; sie wussten, dass sie nur dadurch siegen konnten Napoleon freilich nannte die Befreiung vom Militärdienst die 8. Todsünde und wusst^e warum; seine Franzosen aber leiden noch heute darunter ’ / Jedenfalls dürfte wohl eine ’A-1jährige Dienst- oder rr.äsenzzeit vollkommen genügen, zum eigentlichen Einüben und Drillen aber 6-10 Wochen. Auch Hesse sich .nitwÄffer^ b eine geeignete Vorbildung der Jugend, d. h. durch Turnen, Gymnastik VafiFenubungen, Marschen u. s. f. noch erheblich abkürzen und zudem billiger machen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0874.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


