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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![I Eigentliche Gewerbe, Manufacturen, Fabrikarbeiten. 869 Noch am ehesten geschieht dies durch Schwängern der Luft mit irrespirabeln oder sonstwie schädlichen Gasen und Dänij)fen, wie vor allen Kohlengase, Schwefelwasserstotf. So können Arbeiter durch Kohlen Wasserstoff gas in Steinkohlenbergwerken (hier als sog. Gruben- gas, böse Schwaden), z. B. in engen, schlecht ventilirten Gängen der- selben sofort ersticken , oder bewirkt es bei zuhilliger Entzündung Explosionen, Brand, Verbrennungen h Aehnliches kommt öfters in Leuchtgasfabriken vor. Noch ungleich häufiger kann Kohlendarapf, zumal Kohlenoxydgas Gesundheit und Leben der Arbeiter bedrohen : ebenso Kohlensäure in Brauereien, in Kellern mit gährendem Wein, in Kalköfen, Schwefelwasserstoff und Cloaken-, Fäcalgase beim Ent- leeren von Abtrittsgruben, Schwefelkohlenstoff bei Kautschukarbeiteu. Weniger bedenklich scheinen jene faulenden, übelriechenden Substan- zen, womit Gerber, Saitenmacher, Leim-, Fett-, Talg- und Seifensieder, Abdecker, Salmiak-, Dünger-, Filzfabrikanten, auch Fleischer wie die ] Leute in Färbereien und anatomischen Anstalten in Berührung kom- [ men. Denn zum Glück sind stinkende Gase und Stoffe sonst nicht : immer auch schädlich Doch können wohl am Ende sämtliche Ge- werbe, wobei der Arbeiter faulen, zumal thierischen Ausdünstungen, ‘Schwefelwasserstoff, Ammoniak, flüchtigen Fettsäuren u. dgl. ausge- ■ sezt ist, zu Störungen seiner Gesundheit führen. Schädlicher jeden- falls pflegen wiederum saure Dämpfe zu wirken, wie Salz-, Salpeter-, l Essigsäure, Salpetrige und Schweflige Säure, auch Chlor, z. B. bei i Bleichern , Färbern , Materialisten, in Zeugdruckereien *bei Soda-, ' Solche Explosionen oder sog. schlagende Wetter können entstehen, sobald Sauer- ■ stoffgas dem Kohlenwasserstoffgas sich beimischt wie durch jedes Feuer, durch Lampen, i Zündhölzchen, brennende Tabakspfeifen u. s. f. Fast noch mehr leiden hier Arbeiter 8 durch die schlechte Luft in engen, schlecht ventilirten Gängen und sog. Strecken, deren !Kohlensäuregehalt oft auf 3—4'Vo steigt, während ihr Sauerstoff um 4—5**/o vermindert isein kann, ausserdem durch Nässe und Kälte wie Hize. Auch pflegt beim Bergbau die Nachtarbeit besonders schädlich zu wirken. Ueberhaupt sterben aber von den beim Berg- bau beschäftigten Arbeitern durch direct mit ihm gegebene Verhältnisse in Belgien, Eng- land, Preussen u. a. jährlich 3—4 von 1000, die meisten bei der Gewinnung von Stein- kohlen. Hier reihen sich manche explodirbare, jezt als Farbstoffe benüzte Verbindungen der Pikrinsäure mit Natrium an, im Handel als Anilingelb, Pikrinsäure u. a., durch deren Explosion gleichfalls schon viele Unglücksfälle entstanden sind. Diese worden so oft genug in Fabriken, Werkstätten mit glühenden Kohlen durch jenen Kohlendampf behelligt, vielleicht auch Locomotivführer, Maschinenheizer, während Mineurs bei Sprengarbeiten in Bergwerken, Tunnels, Festungen u. s. f. mit Pulver oder Nitroglycerin durch die hiebei entwickelten Gase (besonders Kohlenoxyd und Kohlensäure, :Schwefelwasserstoff) leicht vergiftet oder asphyxirt werden, sobald leztere nicht sofort Ientweichen können. Zudem wird die Luft in Tunnels, besonders wenn sie schon tiefer eiDgebohrt sind, durch die Arbeiter selbst und ihre Lampen verdorben. ® Seifensieder z. B., Gerber, Knochenhändler u. drgl. in England pflogen nicht zu »leiden, ja ihre Sterblichkeit ist sogar geringer, ihre Lebensdauer länger als bei andern PBerölkerungsclassen, und die Arbeiter in Montfaucon blieben selbst bei der Cholera auf- l| fallend frei. ■‘In Zeug- oder Cattundruckereien, zumal beim sog. Doppeldruck wird die Luft be-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0883.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


