Ḫorāsān zur Timuridenzeit nach dem Tārīḫ-e Ḥāfeẓ-e Abrū (verf. 817-823 h.) des Nūrallāh ʻAbdallāh b. Luṭfallāh al-Ḫvāfī genannt Ḥāfeẓ-e Abrū / von Dorothea Krawulsky.
- Hafiz-i Abru
- Date:
- 1982-1984
Licence: Public Domain Mark
Credit: Ḫorāsān zur Timuridenzeit nach dem Tārīḫ-e Ḥāfeẓ-e Abrū (verf. 817-823 h.) des Nūrallāh ʻAbdallāh b. Luṭfallāh al-Ḫvāfī genannt Ḥāfeẓ-e Abrū / von Dorothea Krawulsky. Source: Wellcome Collection.
13/308 page 11
![auch große Siedlung* 11, oder um eine Neugründung, oder auch um mehrere Siedlungen, die zusammen ein mulk bildeten und keinerlei Verbindung mehr zum Dorfkollektiv hatten. Die mazra'e wurde vom Feudalherrn oder auch vom dlvän auf Ödland gegründet und von Bauern bewohnt, die sich aus verarmten, entwurzelten qarye-Bauern oder Neuansiedlern rekrutierten, die vom Leben und den Traditionen des Dorfkollektivs völlig abgeschnitten waren12. Hiermit ist sicherlich der wichtige Aspekt der Besitz- und Eigentumsverhält¬ nisse und der sozialen Stellung des mazra'e-Bauern gegenüber dem qarye- Bauern zur Diskussion gestellt. Dennoch scheint mir die Frage unbeantwortet, warum im einen Fall ein qarye gegründet wurde — und solche wurden unseren Quellen zufolge zu allen Zeiten neu gegründet - und im anderen Fall eine mazra'e, und warum die Zahl der mazäre' in so vielen Fällen so deutlich die Anzahl der qorä übersteigt13. Ich möchte deshalb das Problem, ohne Rück¬ sicht auf Besitz- und Eigentumsverhältnisse und die soziale Stellung des maz- ra'e-Bauern von einer anderen Seite diskutieren. Der Begriff mazra'e als Siedlung wird in einer Quelle vom Ende des 14. bzw. vom Anfang des 15. Jahrhunderts von muslimischen dlvän-Beamten auch auf das christliche Georgien übertragen, obgleich man voraussetzen darf, daß diesen die sozio-ökonomischen Strukturen Georgiens unbekannt waren14. Es handelt sich hierbei um die Angabe der Beute, die das Heer von Timur auf des Bodens ist, auf dem er arbeitet, in dem Sinn, daß ihm das erbliche Nutznießungsrecht zusteht. Er kann außerdem auch der Eigentümer all der Faktoren sein, die neben Wasser und Land die 5 klassischen Faktoren für das Verhältnis bei der Ernteaufteilung ausmachen, nämlich außer seiner Arbeitskraft noch Arbeitstiere und Saatgut stellen. Auch kann er Lohnarbeiter ('amale, barzegar, akkär) auf seinem Land nach eigenem Belieben einsetzen. 11 Die Größe der Siedlung ist nach Petrushevsky kein Hauptfaktor für die Unterscheidung von qarye und mazra'e (Petrushevsky S. 111). 12 Petrushevsky S. 115-116. 13 Ganz deutlich führt uns dies das Zahlenverhältnis in Qohestän vor Augen (s. die Karte der Verteilung der ländlichen Siedlungen). Die Annahmen von J. Aubin und A. K.S. Lambton, die mazra'e sei eine Erscheinung der Mongolenzeit und stelle die Reste eines früheren Dorfes dar und ihre große Zahl könne bedeuten, daß die Bevölkerung aus Sicherheitsgründen diesen neuen Siedlungstyp wählte, denn: „The group settlement may indeed have attracted their [the Mon¬ gols] cupidity so that the population adopted the expedient of dispersing and settling in isolated farmsteads,“ sind unhaltbar (s. J. Aubin: Un santon Qühistäni, zitiert in Anm. 8, und A.K.S. Lambton: Reflections on the Role of Agriculture in Medieval Persia S. 304). Die mazra'e ist sicherlich so alt wie das Dorf bzw. qarye selber und ihre Zahl dürfte aus ökolo¬ gischen Gründen, in wasserarmen Gebieten, mit schlechten Bodenverhältnissen immer die Zahl der qorä überstiegen haben, auch wenn unsere frühen Quellen kaum etwas zu dieser Erschei¬ nung vermerken, was ich der Lückenhaftigkeit unserer Quellen zuschreibe. Und dies bestätigt Häfez-e Abrü, der zu Karüh vermerkt, daß es in früheren Zeiten eine größere Anzahl von mazäre' umfaßte (s. meine Edition S. 29). 14 Siehe Yazdl: Zafarnäme II, 536.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31365164_0013.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


