Die Entwickelung der Heilkunde in ihren Hauptzügen : zur Darstellung gebracht. Aus dem Nachlasse hrsg / Hugo Magnus.
- Hugo Magnus
- Date:
- 1907
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Credit: Die Entwickelung der Heilkunde in ihren Hauptzügen : zur Darstellung gebracht. Aus dem Nachlasse hrsg / Hugo Magnus. Source: Wellcome Collection.
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![daß es alle Lücken, welche das Hantieren mit den 4 Kardinal- säften etwa noch offen ließ, jederzeit schließen konnte. Denn das Pneuma war in der Aristotelischen Auffassung bereits das, was spätere Zeiten dann unter Lebenssaft verstanden wissen wollten. Es sollte nämlich nach dem großen Stagiriten drei Formen des Pneuma geben: das uveG[jia ^wtixov, 7tveu|Jia (};uxi-aöv, 7:veü[ia cpuaixdv. Das erste trieb sein Wesen in Herz und Arterien und sollte also der Ernährung und Belebung der Körperorgane dienen. Das zweite vermittelte die geistigen Vorgänge, das dritte die Ernährung. Die Tätigkeit dieser rätselhaften, teils geistigen, teils stoff- lichen Substanz sollte sich also in drei Kräfte spalten: in die Seelenkraft (5uva|xi(; cj^ux^xY]'), in die pulsierende Kraft (5uva|its acpuytAtXY)') und in die natürliche Kraft (p6va\uq <puaix-^'). Setzen wir zu den soeben genannten Dingen noch eine tüchtige Portion Teleologie, und wir haben die Stoffe und Kräfte, mit welchen die antike Physiologie bis tief in die Zeiten des Huma- nismus, ja unter Umständen sogar bis in die Neuzeit geherrscht hat. Lag nun der Schwerpunkt der antiken Physiologie auch un- bedingt in der Spekulation, so war das Experiment deshalb doch nicht vollständig ausgeschlossen. Von Alkmäon (520 v. Ch.) bis Galen (130—201 nach Ch.) haben vielmehr einzelne erleuchtete Köpfe sich einen Einblick in das organische Leben durch Tier- versuche zu erringen gestrebt, und es ist anerkennenswert, in welchem Umfang z. B. Galen gerade in dieser Hinsicht gearbeitet hat. Aber der Tierversuch hatte für die antike Physiologie immer nur einen nebensächlichen heuristischen Wert. Denn er wurde keineswegs in der Absicht unternommen, die spekulativ erbrachten Lehren nun etwa experimentell nachprüfen und eventuell ver- bessern zu können. Mit solch einer Meinung wird wohl kaum ein antiker Forscher ernstlich gerechnet haben. Die Lehren ihres Systems galten der antiken Heilkunde für volle Wahrheit, und sie verlangte von ihren Anhängern ein unbedingtes Fortarbeiten in dem her- gebrachten spekulativen Sinne. Machte man ein Experiment, so geschah dies entweder aus Neugierde, oder weil selbst die gewag- teste Spekulation in der betreffenden Frage nicht mehr so recht zu antworten wußte. Dieser Bedeutung des antiken Tierversuches entspricht es denn auch, daß man die durch ihn gewonnenen Einblicke keineswegs etwa höher schätzte, wie die Lehren des spekulativen Systems. Auch suchte man die Versuchsergebnisse](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24757421_0122.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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