Die Chirurgie der Schilddrüse / von A. Freiherr v. Eiselsberg.
- Eiselsberg, Anton, Freiherr von, 1860-1939.
- Date:
- [1913?]
Licence: In copyright
Credit: Die Chirurgie der Schilddrüse / von A. Freiherr v. Eiselsberg. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
35/88 page 373
![sobald sie in einer Kropfgegend eine Anschwellung ihrer Schilddrüse bemerken, die Gegend verlassen oder nur Mineral-beziehungs- weise gekochtes Brunnenwasser trinken. Daß das Filtrieren des Kropfwassers die kröpf erzeugende Wirkung desselben nicht behebt, wurde schon oben erwähnt. Vor allem ist das \\ assei der soge- nannten Kropfbrunnen gänzlich zu meiden. Gefährdet sind hier zunächst jene Menschen, die schon mit der Erkrankung behaftet in^ eine solche Gegend kommen. Die Vermeidung der Ursachen, welche Kongestionen zum Halse befördern, ist praktisch nur so weit möglich, als sie sich z. B. auf das Tragen von Lasten auf dem Kopfe und ähnliche Schädlichkeiten bezieht. Die aus dem Geschlechtsleben der Frau sich ergebenden Kon- gestionen, die manchmal mit jeder Menstruation oder jeder Gravidität wiederkehren, sollen einem alten \ olksglauben gemäß durch engan- schließende Tücher am Halse wirksam bekämpft werden. Es bleibt allerdings dahingestellt, ob nicht diese Wirkung nur eine scheinbare ist und die Kompression ein Wachsen des Kropfes mehr nach innen und unten begünstigt. a) Medikamentöse Therapie. In der medikamentösen Behandlung wird heute ausschließlich das von Coindet eingeführte Jod gebraucht, seine Wirk- samkeit steht außer Zweifel; nach Kocher sind 90% aller Kröpfe durch Jod so weit einer Besserung fähig, daß operative Eingriffe dadurch gespart werden. Die heutige Pharmakologie beschäftigt sich daher nicht damit, etwa einen Ersatz für das Jod zu finden, sondern nur über Form und Anwendungsweise der Jodpräparate bestehen noch Diskussionen. Ich verweise in bezug auf die Frage der Wirkungsweise des Jodes auf den Kropf äußerlich und innerlich auf die lehrreiche Arbeit Kochers (Therapie des Kropfes, Deutsche Klinik am Eingänge des 20. Jahrhunderts, 1904). Die äußere Anwendung geschieht in Form von Umschlägen mit 10—20 %igen Jodkalilösungen oder mit jodhaltigen Mineralwässern (Bad Hall, Darkau, Tölz u. a.). Am besten wirken Jod salben (Jod-Jodkalisalbe [0,1, 1,0, 10,0]). Die Wirkung der Salben- behandlung wird erhöht, wenn vorher der Hals tüchtig mit Seifenwasser abgewaschen und nach dem Einreiben mit einem Flanellappen eingepackt wird. Bei jüngeren Individuen genügt oft der Gebrauch von 30—50g Salbe, bei älteren und besonders den längere Zeit schon bestehenden Kolloid- kröpfen muß die Salbenbehandlung oft monatelang fortgesetzt werden. Innerlich wird das Jod meist als Jodkali oder Jodnatrium gegeben. Am besten in kleinen Dosen1) (0,1—0,2 pro die). Es ist nicht wünschenswert, daß die Wirkung in kurzer Zeit sich einstellt. Dort, wo die Wirkung sehr rasch eintritt, ist auch schon oft der von Lebert als Jodmarasmus geschilderte Symptomenkomplex be- obachtet worden. Derselbe erinnert an die Symptome der Basedow- schen Krankheit (mit Ausnahme der Schilddrüsenvergrößerung). Die Natur dieses Jodmarasmus ist noch nicht genügend aufgeklärt, vielleicht ist er als Vergiftung im Sinne einer Überschwemmung des Organismus durch den 1) Erfahrene Praktiker (Breuer sen.) haben nach minimalen Jodgaben, alle 10 Tage einen Tropfen Jodtinktur in einem Glas Wasser, erst Anschwellen, dann deutliches Abschwellen des Kropfes gesehen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22441220_0037.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


