Die Chirurgie der Schilddrüse / von A. Freiherr v. Eiselsberg.
- Eiselsberg, Anton, Freiherr von, 1860-1939.
- Date:
- [1913?]
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Credit: Die Chirurgie der Schilddrüse / von A. Freiherr v. Eiselsberg. Source: Wellcome Collection.
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![Gefahren (der Narkose und der Infektion) zuweilen ungünstige Zufälle beobachtet, die mit der spezifischen Art des Eingriffes im Zusammenhang stehen. Aus einer älteren Statistik Reverdins ergibt sich, daß von 93 ans der Literatur gesammelten Todesfällen nach Kropfoperationen der Tod 42mal durch Re- spirationsbeschwerden (Suffokation, Asphyxie, Pneumonie), 19mal durch Blutung, 13mal durch Wundinfektion, 9 mal durch nervöse Störungen (Shock, Rekurrer.s- verletzung), 6mal durch Herzsynkope bedingt war; in 4 Fällen erfolgte er an Tetanie oder Myxödem. Von 1157 benignen Strumen, welche teils von mir, teils von meinen Assistenten im Laufe der letzten 11 Jahre1) operiert wurden, starben 16, und zwar 3 Patienten an Tetanie, 5 an Pneumonie, 4 an Myodegeneratio cordis, 2 an Verblutung (einmal Arosion der Art. thyr. inf., einmal Abgang der Ligatur, 1 Patient an Sepsis (Kat- gutinfektion)2), 1 Patient an Pleuritis im Verlauf einer Influenza. Von den 5 an Pneumonie Verstorbenen waren 4 in Allgemeinnarkose operiert worden, bei dem 5. bestand eine Myodegeneratio cordis. Die Gesamtmortalität beträgt demnach 1,4%, Vom seiten des Gefäßsystems bildet die] schlimmste] Komplikation die B 1 u t u n g, die nur durch exakteste Blutstillung in jeder Phase der Operation vermieden werden kann. Vor der definitiven Blutstillung durch temporäre Kompression kann nicht genug gewarnt werden; wenn der während der Operation herabgesetzte Druck in den Gefäßen später wieder steigt, kann sehr leicht eine schwere Nachblutung erfolgen. Nachblutungen, die in vorantiseptischer Zeit häufiger beobachtet wurden, kommen jetzt sehr selten zur Beobachtung. Sie sind meist die Folge mangelhafter Blutstillung, zuweilen treten sie auch bei der Entfernung eines zu lange liegen ge- bliebenen Drains oder Gazestreifens auf. Das Wartepersonal muß über die ersten Symptome einer Nachblutung genau instruiert sein. Die Verletzung der klappenlosen und sehr erweiterten Venen führt leicht zur Luftembolie. Diese bildet stets eine das Leben be- drohende Komplikation, wenn die Quantität der aspirierten Luft eine einigermaßen beträchtliche war. Sobald man das charakteristische schlürfende Geräusch hört, muß sofort pro- visorisch tamponiert werden. Unter vorsichtigem Wegziehen des Tampons sucht man die Stelle des Lufteintritts mit dem Schieber zu fassen. Künstliche Atmung, welche durch den dabei auftretenden Atmungsstillstand erforderlich wird, begünstigt den weiteren Lufteintritt, sie ist daher im allgemeinen zu unterlassen. Dagegen hat sich Königs Herzmassage vortrefflich bewährt. Der Versuch, mit einer Spritze die eingedrungene Luft zu aspirieren (Wölfler), wird nur ausnahmsweise in Betracht kommen, besser dürfte es sein, die Wunde rasch mit Kochsalzwasser zu irrigieren und dieses aspirieren zu lassen (T r c v e s). Wenn die Luftembolie nicht binnen kurzer Zeit zum Exitus führt, kann sie ohne weitere Störung verlaufen. In einzelnen Fällen sind vorübergehende Lähmungen beobachtet worden. In jeder Phase der Operation, besonders bei be- stehender Säbelscheidentrachea, kann ein asphyk- J) Bis 9. Juli 1912. 2) Diese 3 Fälle -wurden nicht von mir persönlich operiert.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22441220_0048.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


