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Credit: Die Anaemie / von P. Ehrlich und A. Lazarus. Source: Wellcome Collection.
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![Das gefärbte Trockenpräparat. !•' rations- und Regenerationserscheinungen an den roten Blutkörperchen, ihre Entartung bei haemoglobinaemischen Processen. E2s spiell sich also in der Mikroskopie des Blutes derselbe Vorgang ab, welchen wir auch in den anderen Abschnitten der normalen und pathologischen Histologie sich vollziehen sehen: durch die Fortschritte der Technik bedeutungsvolle Fort- schritte in der Erkenntnis. Ks isl daher wenig verständlich, wenn in jüng- ster Zeit ein Autor wiederum die Rückkehr zu den alten Methoden empfiehlt und mit Emphase angiebt, dass er in allen Fällen auch mit de]- Unter- suchung des frischen Blutes zur Stellung der Diagnose ausgekommen sei. Das ist ja jetzt, nachdem eben die wichtigsten Punkte durch die neuen Methoden geklärt sind, für die überwiegende Mehrzahl der Fälle keine überraschende Leistung. Für irgendwie schwierigere Fälle (z. 15. die früh- zeitige Erkennung des malignen Lymphoms, gewisser seltener Formen der Anaemie u. a. m.) ist, wie gerade der P]rfahrene weiss, das gefärbte Trockenpräparat immer noch unentbehrlich. Überhaupt ist ja der Zweck der Blutuntersuchung nicht die Stellung einer Schnelldiagnose, sondern die genaue Erforschung der Blutbilder in seinen Einzelheiten, die oie an frischem Blut ausgeführt werden können. Wir können heute nur den Standpunkt einnehmen, dass man alles, was man im frischen Präparat sehen kann — von der klinisch ganz belanglosen Geldrollenbildung und den amoeboiden Bewegungen etwa abgesehen — auch ebenso gut und viel besser am gefärbten Trockenpräparat studieren kann: dass es aber viele wichtige Einzelheiten giebt, die nur mit Hülfe des letzteren, nie im feuchten Präparat, sichtbar gemacht werden können. Was die rein praktisch-technische Seite der Frage anbetrifft, so ist zweifellos die Untersuchung des gefärbten Trockenpräparates weit be- quemer als die des frischen. Ersteres lässt uns völlig unabhängig in Ort und Zeit: wir können das angetrocknete Blut unter geringen Cautelen monatelang aufbewahren, bevor wir die weitere mikroskopische Technik anwenden; die Untersuchung desselben Präparates kann beliebig lange dauern und jederzeit wiederholt werden. Dagegen ist die Untersuchung des frischen Blutes nur am Krankenbett selbst möglich, und die Unter- suchung einer Blutprobe muss sich wegen der Veränderlichkeit des Blutes, der Gerinnung, Zerstörung der weissen Blutkörperchen u. s. w.. inner- halb so kurzer Zeit abspielen, dass eingehende Prüfungen gar nicht vor- genommen werden können. Kommt nun noch dazu, dass die Herstellung und Färbung der Bluttrockenpräparate zu den einfachsten und bequemsten Methoden gehört, die die klinische Histologie überhaupt kennt, so wird es im Interesse ihrer Weiterverbreitung berechtigt sein, sie hier aus- führlicher zu schildern. An dieser Stelle sei noch auch die Verwendung des fertigen Trocken- präparates zur Bestimmung des wichtigen Zahlenverhältnisses](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21223464_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


