Lehrbuch der klinischen Untersuchungsmethoden / von Richard Geigel und Fritz Voit.
- Date:
- 1895
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Credit: Lehrbuch der klinischen Untersuchungsmethoden / von Richard Geigel und Fritz Voit. Source: Wellcome Collection.
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![Wird aber das zweite Prisma um 90 gedreht, so dass also sein Hauptschnitt senkrecht auf demjenigen des ersten Prisma steht, so wird das aus dem ersten Nicol austretende Licht vom zweiten Nicol ausgelöscht. Man nennt in einer solchen Combination den ersten Nicol Polarisator, den zweiten Analysator. Es gibt nun eine Reihe von Körpern, welche im Stande sind, die Schwingungs- richtung eines polarisirten Lichtstrahles zu verändern, sie zu drehen. Solche Körper heissen optisch-activ. Wird ein solcher Körper zwischen zwei Nicola ein- geschoben, so verändert das Gesichtsfeld seine Helligkeit (oder seine Farbe) und die ursprüngliche Erscheinung kann erst durch Drehung des Analysators nach einer bestimmten Richtung wieder hergestellt werden. Erscheint die ausgeführte Drehung dem beobachtenden Auge gleich gerichtet mit der Drehung eines Uhrzeigers, so nennt man die dieselbe hervorrufende Substanz rechtsdrehend ; geht die Drehung im umgekehrten Sinne, so spricht man von linksdrehender Substanz. Rechtsdrehend ist eine Lösung von Traubenzucker, linksdrehend eine Lösung von Fruchtzucker. Jede optisch-active Lösung dreht das polarisirte Licht unter gleichen Verhältnissen um immer den gleichen Winkel. Ausser von der Natur der Substanz und der Natur des Lösungsmittels ist die Grösse dieses Winkels abhängig: L Von der Concentration der verwendeten Lösung und von der Länge der durchstrahlten Schicht. Denn je mehr optisch-active Molekel der Lichtstrahl zu durchlaufen hat, um so stärker wird er gedreht werden. Der Drehungswinkel ist direct proportional der Länge der Schicht der optisch-activen Substanz und dem Concentrationsgrad der Lösung. Specifische Drehung einer Substanz ist die mit 100 multiplicirte Zahl, welche angibt, um einen wie grossen Winkel durch eine l°/oige Lösung der Substanz in einer Schicht von 1 dem Länge das polarisirte Licht gedreht wird. Der specifische Drehungswinkel wird bei rechtsdrehenden Substanzen mit [-f a], bei linksdrehenden mit [—a] bezeichnet. 2. Von der Wellenlänge des zur Beobachtung benützten Lichtes. Verwendet man Strahlen mittlerer Brechbarkeit, d. h. beobachtet man mit dem gelben Natriumlicht, so wird die bei diesem gelben Licht gefundene Drehung bezeichnet mit [aj (7) == P r a u n h o fe r'sche Linie im Gelb). (3. Bei bestimmten Substanzen von der Temperatur.) Kennt man demnach die specifische Drehung einer Substanz, so kann man aus der Grösse des Drehungswinkels bei einer bestimmten Länge der vom Licht durchdrungenen Schicht den Gehalt der Lösung an optisch-wirksam er Substanz berechnen. Zur Bestimmung des Zuckergehaltes im Harne durch Drehung sind verschiedene „Saccharimeter construirt worden, welche sich haupt- sächlich durch die Art und Weise von einander unterscheiden, wie die Drehung der Schwingungsebene dem Beobachter deutlich sichtbar ge- macht wird. Bei den meisten Instrumenten wird durch besondere An- ordnung der optischen Bestandtheile beim Einsetzen einer Trauben- zuckerlösung den beiden ursprünglich gleich aussehenden Hälften des Gesichtsfeldes eine verschiedene Beschaffenheit gegeben; die eine Hälfte wird verdunkelt oder sie nimmt eine andere Farbe an. Ein für klinische Zwecke genügende Genauigkeit bietendes, ein- faches Instrument, welches den Vortheil hat, dass man mit nicht homo- genem Licht (Petroleumlicht, leuchtende Gasflamme) arbeiten kann, ist](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925252_0431.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)