Grundriss der speciellen Pathologie und Therapie : für Studirende und Ärzte / von Julius Schwalbe.
- Julius Schwalbe
- Date:
- 1892
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Credit: Grundriss der speciellen Pathologie und Therapie : für Studirende und Ärzte / von Julius Schwalbe. Source: Wellcome Collection.
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![Die Prognose ist zweifelhaft bezüglich einer endgiltigen Hei- lung. Eine Gefahr für das Leben enthält die Krankheit nicht. Therapie. Die Hauptsache ist Vermeidung der ursächlichen Schädlichkeiten und gleichmässige, von Ueberanstrengungen, Ex- cessen, Unregelmässigkeiten freie Lebensweise. Im Uebrigen hat man genau zu individualisiren: bald reichliche, bald spärliche Er- nährung, viel und wenig körperliche Bewegung, Elektrotherapie (allgemeine und locale Faradisation und Galvanisation, faradischer Pinsel, elektrische Bäder), Hydrotherapie (kalte Abreibungen, Douchen, Bäder), Massage, Gebirgs- oder Seeaufenthalt. Von inneren Mitteln kommen in Betracht die Nervina, Eisen- präparate, Antineuralgica, Hypnotica (protrahirte warme Bäder vor dem Schlafengehen, starkes Bier oder Wein in mässiger Menge, Bromkali in grossen Dosen, Sulfonal [in warmer Flüssigkeit], Somnal, Cannabinon, Hypnon, Chloral, Morphium). [Anhaltender Gebrauch der Hypnotica zu vermeiden!] 2. Die Hysterie. Aetiologie. Das Krankheitsbild der Hysterie umfasst eine äusserst mannigfaltige Reihe von Erscheinungen, als deren Grund- lage die auf psychischer Störung beruhende Willensschiväche (Aboulie) bezeichnet werden muss: die Hysterie ist eine psychotische Neurose. Sämmtliche Störungen zeichnen sich durch ein sehr wechselvolles Verhalten aus. Am häufigsten entwickelt sich die Krankheit auf dem Boden heftiger acuter oder chronischer resp. oft wiederkehrender psychischer Alterationen (Schreck, Aerger, Kummer, Sorge etc.), bisweilen ent- steht sie nach einem körperlichen Unfall traumatische Hysterie'^). Nicht selten wird sie durch chronische Organleiden, namentlich Genitalerkrankungen hervorgerufen. Bei vielen Fällen vermag man keine directe Ursache nach- zuweisen. Hier handelt es sich allein um die individuelle nervöse Disposition, welche ererbt oder durch schlechte Erziehung und ver- kehrte Lebensweise (Excesse körperlicher, geistiger und seelischer Art) erworben sein kann. In gewissem Sinne ist an dieser Stelle auch der Einfluss der Nachahmung, der psychischen Ansteckung, zu erwähnen. Weitaus am meisten findet sich die Hysterie hei Frauen\ in-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20406848_0092.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


