Ueber angeborenen Kernmangel (infantiler Kernschwund, Moebius) / von O. Heubner.
- Otto Heubner
- Date:
- 1904
Licence: In copyright
Credit: Ueber angeborenen Kernmangel (infantiler Kernschwund, Moebius) / von O. Heubner. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
6/58 page 4
![2. Das regelmässige Befallensein der Augenmuskeln oder wenigstens die Miterkrankung dieser, wenn noch andere Lähmungen da waren. Dabei waren theils sämmtliche Augenmuskeln befallen (Oph- thalmoplegia exterior totalis), theils nur einzelne Gruppen, z. B. nur die vom Oculomotorius versorgten Muskeln, oft auch von diesen nur einzelne (z. B. isolirte Ptosis), oder nur der Muskel des Nerv, abducens. 3. Neben der Ophthalmoplegie fanden sich in einer Reihe von Fällen andere Gehirnnervenlähmungen von genau demselben Cha- rakter vor, insbesondere des Facialis. Von einer Miterkrankung des Hy]Doglossus begleitete Ophthalmoplegien hatte Moebius in der Literatur bis 1892 nicht finden können. Wohl aber konnte schon er auf das Vor- kommen von abnormen Bildungen an anderen Körperstellen hinweisen. 4. Auch in den combinirten Fällen handelte es sich immer nur um motorische Hirnnerven, die sensiblen waren stets unbetheiligt. 5. Die Erkrankung war — wenigstens mit nur wenigen und zweifel- haften Ausnahmen — doppelseitig und symmetrisch, wobei allerdings beide Seiten meist nicht gleich stark betallen sich zeigten. 6. Die Erkrankung war in allen Fällen zur Zeit der Beobachtung abgeschlossen, machte keine Fortschritte auf andere Gebiete, blieb vielmehr durch das ganze Leben hindurch auf der gleichen Stufe, mehr- fach viele Jahrzehnte lang. Ebensowenig wie eine Verschlimmerung trat aber auch eine Besserung ein. 7. Der ganze übrige Organismus bleibt unberührt, frei von nervöser Erkrankung. Es war vielleicht niclit gleichgültig für die Auffassung dieser Fälle, zu der Moebius gelangte, dass er zuerst selbst die Beobachtung einer angeborenen doppelseitigen Abducens-Facialislähmang machte, eine Com- bination, die bei den nahen Beziehungen, in denen diese beiden Nerven innerhalb der Medulla oblongata stehen, wohl von selbst den Blick des Kenners auf dieses Organ und insbesondere auf die Nervenkerne hin- lenken musste. Gerade die Erwägung, dass ein primärer Muskelschwund, den man von vornherein gewiss ebenso gut als Ursache der Erkrankung ins Äuge fassen konnte, auf eine so seltsame Combination, wie es die gleichzeitige Erkrankung beider äusseren Augenmuskeln und aller oder vieler Gesichtsmuskeln bei Freibleiben der übrigen Augenmuskeln ist, sich wohl kaum capriciren möchte, gerade diese Erwägung wies den genannten Forscher darauf hin, die Localisation des krankhaften Processes in den Kernen der die ergriffenen Muskeln versorgenden Nerven zu suchen. Auch die entgegengesetzte Localisation der Erkrankung, die isolirte doppel- seitige Oculomotoriuslähmung, wovon ein sicherer Fall mitgetheilt wird, bietet der Annabrao eines primären Muskelschwundes die nämlichen Schwie-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21638664_0006.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


