Die Thrombose nach Versuchen und Leichenbefunden geschildert / von C.J. Eberth & C. Schimmelbusch.
- Eberth, Karl Josef, 1835-1926.
- Date:
- 1888
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Credit: Die Thrombose nach Versuchen und Leichenbefunden geschildert / von C.J. Eberth & C. Schimmelbusch. Source: Wellcome Collection.
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![einige Zeit die Zellcontouren, es verschwindet aber bald der Kern. Nach Weiyert findet diese Art der Nekrose überall da statt, wo Zellen absterben und dabei von einem stetigen und reichlichen Strome fibri- ]iogener Flüssigkeiten, d. h. also von Flüssigkeiten, die die Faserstoff- grundsubstanz A. Schmidfs enthalten, z. B. der Lymphe oder dem Blutplasma, durchspült werden. Die absterbenden Zellen sollen das Fibrinferment liefern und dies Fibrinferment soll mit der fibrinogeneu Flüssigkeit den (fibrinoplastischen) Zellleib in Faserstoff' verwandeln. Diesen Gerinnungsprocess machen die weissen Blutkörper nun in einer von der Constanz der Erscheinungen bei anderen Zellen abweichenden, wechselnden Form durch. Die Leucocyten können sich wie die anderen Zellen nach einiger Zeit in „kernlose Schollen verwandeln; aber sie können ausserdem auch in körnige, fädige oder balkige Massen zer- fallen. Die Bildung fädiger Massen ist ein den Leucocyten eigner Vorgang: „Hier wird eben der zweite zur Fibrinbildung nöthige Stoff in der Flüssigkeit aufgelöst und der alte Zellleib ist verschwunden: so kann sich dann das Fibrin in jener, von der ursprünglichen Zelle abweichenden Form niederschlagen Je günstiger die Verhältnisse bei dem Untergang der Leucocyten für eine völlige Lösung derselben Jiegen, um so sicherer würden Fibrinfäden entstehen; wenn aber „die absterbenden Leucocyten so dicht an einander gehäuft sind, dass sie sich nicht in der umgebenden lymphatischen Flüssigkeit auflösen können, so tritt die Schollen bildende Form der Nekrose auf. Dazwischen giebt es alle möglichen Uebergänge. Die Gerinnung des Aderlassblutes wäre hiernach eine Coagulationsnekrose der weissen Blutkörper, bei der eine völlige Auflösung derselben erfolgte, die Thrombose aber eine Coa- gulationsnekrose mit partieller Erhaltung des Zellkörpers. Dass die Substanz des weissen Thrombus sich von dem Faserstoff des Ader- lassblutes in ihren chemischen Reactionen unterscheidet, ist für Weigert um so weniger wichtig, als der Faserstoff für ihn natürlich kein chemisch einfacher Körper ist. Bei der grossen Anzahl der an verschiedenen Orten des Körpers und in verschiedenen Zellenmassen vor sich gehen- den Gerinnungsprocesse entstehen eben sehr verschiedene Arten von Faserstoff. In einer ganz anderen Richtung bewegen sich die Untersuchungen,, die Ä. Schmidt von einem seiner Schüler, Armin Köhler^), ausführen Hess. Diese Untersuchungen gehen von dem Gedanken aus, dass, wenn die Blutgerinnung an die freie Wirkung des Fibrinfermentes auf die Fibringeneratoren (die fibrinoplastische und fibrinogene Substanz) ge- bunden sei, es nicht bloss der herrschenden Ansicht gemäss die Stase und die durch fremde Körper gesetzte Blut- und Gefässalteration sein könne, die zur Blutgerinnung innerhalb der Gefässe führe. Es müsse vielmehr möglich erscheinen, auch ohne diese Vorbedingungen, allein durch die Einwirkung des Fibrinfermentes die letztere entstehen zu sehen, sei es nun in Folge directer Infusion von Fermentlösung in die Gefässe, sei es in Folge von Krankheitszuständen, die zur Bildung grösserer Mengen des Fermentes im Körper Veranlassung gäben. Kühler ') Op. cit. p. 116—121. ^) Armin Köhler, Ueber Thrombose und Transfusion, Eiter und septische- Infection und deren Beziehung zum Fibrinferment. Tnaug.-Diss. Doi-pat 1877.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22299890_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)