Aufsätze über Vererbung und verwandte biologische Fragen / von August Weismann.
- August Weismann
- Date:
- 1892
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Credit: Aufsätze über Vererbung und verwandte biologische Fragen / von August Weismann. Source: Wellcome Collection.
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![— 796 — parthenogenetischer Generationen. Auch Maupas findet die Zahl dieser Generationen, welche bei einigen „seltnen Arten von Crustaceen und Insekten sich folgen können, durch¬ aus ungenügend, um daraus den Schluss zu ziehen, dass diese „agamen Generationen unbegrenzt andauern könnten. Ich glaube nun allerdings, dass sie in den meisten Fällen wirklich nicht unbegrenzt andauern, weil es eben von der Natur meist auf eine cyklische Fortpflanzung der Art ab¬ gesehen ist, auf einen regelmässigen Wechsel von Partheno¬ genese und geschlechtlicher Fortpflanzung. Nun gibt es aber doch Arten, wie die zu meinen Versuchen benutzte Cypris reptans (siehe : Theil II dieser Schrift), bei welcher zweifellos ein solcher Cyklus nicht mehr existirt und bei welcher Parthe¬ nogenese ununterbrochen andauert. Vierzig Generationen, die ich ungefähr beobachtet habe, sind zwar noch keine end¬ lose Reihe, aber ein Cyklus, der erst nach vierzig „agamen Generationen wieder eine sexuelle brächte, ist bisher noch nicht bekannt geworden. Ob aber derartige Fälle selten, wie Maupas meint, oder häufig sind, ist in Bezug auf ihre Be¬ weiskraft wohl gleichgültig. Ja, wenn sie selbst wirklich ganz fehlten, so läge doch darin noch kein Beweis für die Verjüngungstheorie. Denn auch die Vermischungstheorie — wenn ich meine Ansicht so nennen soll — fusst auf einer arterhaltenden Wirkung der Amphimixis und lässt somit er¬ warten, dass die Natur überall, w^o es nur immer möglich war. Amphimixis in die Fortpflanzungsgeschichte einer Art eingefügt und diese í]infügung obligatorisch gemacht haben wird. Wir könnten uns also gar nicht wundern, wenn Fälle rein agamer Fortpflanzung wirklich nicht vorkämen. Eine „Belebungs-Wirkung der Amphimixis würde damit nicht er¬ wiesen sein. Umgekehrt aber beweist, wie mir scheint, ein einziger Fall fortgesetzter agamer Fortpflanzung, dass Amphimixis für die Fortdauer des Lebens nicht unerlässlich sein kann. Wenn aber auch nicht unerlässlich, so zeigt doch eben die Seltenheit rein agamer Fortpflanzung, dass sie eine all-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b18031225_0809.JP2/full/800%2C/0/default.jpg)


