Aufsätze über Vererbung und verwandte biologische Fragen / von August Weismann.
- August Weismann
- Date:
- 1892
Licence: Public Domain Mark
Credit: Aufsätze über Vererbung und verwandte biologische Fragen / von August Weismann. Source: Wellcome Collection.
810/864 page 798
![— 798 — einzelligen agamen Keime hat auch nur annähernd die all¬ gemeine Verbreitung wie die Geschlechtszellen, und der Ur¬ sprung und das allgemeine Vorkommen der einzelligen Keime ist daher wohl gewiss bei diesen zu suchen. Ich habe früher gezeigt, wie die Geschlechtszellen, nach¬ dem sie zum ersten Mal von der Natur eingerichtet worden waren, etwa bei einfachen Zellcolonien, wie die heute noch lebende Pandorina, nach einer verhältnissmässig geringen An¬ zahl von Generationen geschlechtlicher Fortpflanzung schon zur Einrichtung der Reductionstheilung des Kerns kommen mussten, weil sonst durch die periodisch sich wiederholende Vereinigung der Kernsubstanz verschiedener Individuen eine stete Verdopplung der Einheiten dieser Substanz hätte ein¬ treten müssen. Diese Reductionstheilung, w^elche jetzt für beide Geschlechtszellen der ]\Ietazoen sicher nachgewiesen ist, hat aber noch eine andere Seite. Wir gingen von dem Satz aus, dass die Natur es auf möglichst allgemeine Durchführung der Amphimixis abgesehen habe. Wie konnte sie dies besser erreichen, als indem sie die einzelligen Keime unfähig machte, sich allein für sich zu entwickeln? Allerdings sind die männlichen Keimzellen durch ihre speci eilen Anpassungen an ihren Beruf, die Eizelle aufzu¬ suchen und sich in sie einzubohren, meistens schon so schlecht mit Nährstoffen ausgerüstet, dass eine selbständige Ent¬ wicklung derselben zu einem neuen Bion ohnehin unmöglich wäre, aber bei der Eizelle ist dies anders, und dieser wird die Entwicklungsfähigkeit dadurch genommen, dass die Re¬ ductionstheilung ihr die Hälfte ihres Keimplasmas entführt. Wie verhält es sich nun bei den Einzelligen? Auch hier soll — unserer Voraussetzung nach — periodische Amphimixis von der Natur gesichert werden. Dafür wird es unerlässlich sein, dass wie bei Metazoen und Metaphyten dafür gesorgt werde, dass die zur Copulation bestimmten Thiere zu gewissen Perioden sich paarweise anziehen, dass ihre Kerne in den¬ jenigen Zustand versetzt werden, in welchem sie zur Copulation](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b18031225_0811.JP2/full/800%2C/0/default.jpg)


