Aufsätze über Vererbung und verwandte biologische Fragen / von August Weismann.
- August Weismann
- Date:
- 1892
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Credit: Aufsätze über Vererbung und verwandte biologische Fragen / von August Weismann. Source: Wellcome Collection.
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![— 817 - wir Arten mit langer Periode ungeschlechtlicher Fortpflanzimg neben anderen, bei welchen dieselbe gänzlich ausgefallen ist, und somit jede Generation unter dem direkten Einfluss der Amphimixis steht, d. h. aus befruchtetem Ei hervorgeht. Es gibt bekanntlich Medusen, welche von einem Polypenstock hervorknospen und welche als die Geschlechtsgeneration dieses Stockes damit zugleich das Ende einer Reihe von ungeschlecht¬ lichen Generationen bezeichnen, und es gibt andere Medusen, welche stets nur aus einem befruchteten Ei entstehen und selbst nur befruchtungsbedürftige, d. h. auf Amphimixis ein¬ gerichtete p]ier hervorbringen. In anderer Weise hängt die Organisations höh e mit der Einschaltung ungeschlechtlicher Generationen zwischen die geschlechtlichen und also mit der Periodicität der Amphimixis zusammen. Insofern nämlich, als die ungeschlechtlichen Fort¬ pflanzungsarten der Theilung und Knospung bei den höchsten und complicirtesten Metazoen nicht mehr ausführbar sind. Nur bei den niedersten Thierkreisen der Metazoen, bei Coe- lenteraten, Würmern und Echinodermen kommen sie noch vor, schon bei den Gliederthieren fehlen sie und ebenso bei Mollusken und Wirbelthieren. Hier — so könnte man denken — wird nun also jeder Act der Vermehrung auch mit Amphimixis verbunden sein, denn wenn Vermehrung durch Theilung und Knospung der Complicirtheit des Baues dieser Thiere halber nicht ausführ¬ bar war, und daher die Rückkehr zu einzelligen Keimen doch in jeder Generation erfolgen und eine umständliche Ontogenese durchgeführt werden musste, so wird sich die Xatur den Vor¬ theil nicht haben entgehen lassen, mit der Einzelligkeit der Keime jedesmal auch Amphimixis zu verbinden. Wir müssten also erwarten, in diesen Thiergruppen nur noch geschlecht¬ liche Fortpflanzung vorzufinden. In dieser Erwartung finden wir uns aber insofern doch getäuscht, als sie nur in der grossen Mehrzahl der Fälle eintrifft. In einer Minderzahl aber ist die Amphimixis nicht allgemein durchgeführt, trotzdem die Einzelligkeit der Keime sie so leicht gestattete, sie auch bei Weismann, Ges. Schriften. 52](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b18031225_0830.JP2/full/800%2C/0/default.jpg)


