Die krankhaften Geschwülste : dressig Volesungen gehalten während des Wintersemesters 1862-1863 an der Universität zu Berlin / von Rudolf Virchow.
- Virchow, Rudolf (Rudolf Ludwig Karl), 1821-1902.
- Date:
- 1863-1867
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Credit: Die krankhaften Geschwülste : dressig Volesungen gehalten während des Wintersemesters 1862-1863 an der Universität zu Berlin / von Rudolf Virchow. Source: Wellcome Collection.
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![der Vergleichung, die man zwischen Geschwülsten und anderen bekannten Objecten anstellte; ja es sind diese Bezeichnungen noch bis in die neuere Zeit hinein vermehrt worden. Man sprach schon lange von einer Wassergeschwulst, einem Hygroma, weil der Inhalt eine vollkommen wässrige Beschaffenheit hat. Es versteht sich von selbst, dass er kein reines Wasser ist, indess ist er eben so dünnflüssig wie Wasser. Weiterhin sprach man von einer Honiggescliwidst, Meliceris, weil der Inhalt dieselbe dickliche, leicht fadenziehende Beschaffenheit, wie wir sie am Honig kennen, vielleicht auch die Färbung des Honigs hat. In der neueren Zeit hat man eine Geschwulstform aufgestellt, wo der Inhalt eine grosse Aehnlichkeit darbietet mit der gallertartigen Beschaffenheit, w^elche gewöhnlicher Tischlerleim (CoUa) zeigt, wenn er aus dem flüssigen in den festen Zustand übergeht; in dieser Zeit erstarrt bekanntlich der Leim zu einer Gallerte, die anfänglich noch hin und her be- wegt werden kann und beim Anstossen leicht zittert; davon hat man gewisse Geschwülste, die eine ähnliche Beschaffenheit des Inhalts darbieten, Colloidgeschwülste genannt. So stammt der Name des Atheroms von dem breiigen, grützartigen Inhalt mancher Geschwülste, der in der That daran erinnert, wie wenn man gewöhnliche Hafer- oder Gerstengrütze etwas dick eingekocht sieht, wo einzelne noch zusammenhaltende Körner in der gleich- massig gewordenen Grundmasse eingelagert sind. Die Bezeichnungen des Hygroms, der Meliceris, des Colloids, des Atheroms kann man noch heut zu Tage anwenden und man wendet sie an; aber man hat sich doch allmählich klar gemacht, wie der Inhalt eigentlich zu Stande kommt, wie er zusammenge- setzt ist, wie er gebildet wird, wie das Ganze entsteht, und wir können nicht mehr jede beliebige Geschwulst, welche einen breiigen Inhalt hat, Atherom nennen, weil einmal dps^y] Grütze bedeutet. Es giebt Krebs- und Cancroidformen, wo in einem ge- wissen Stadium der Entwickelung der Inhalt atheromatös wird, vollständig breiartig sich darstellt; aber es würde sehr falsch sein, wenn wir diese Form des Krebses (Cancer pultaceus) zum Athe- rom rechnen wollten. Im Gcgenthcil, wir iiaben gegenwärtig eine gewisse, in sich abgeschlossene Art von Geschwüilsten, auf welche dieser Name beschränkt wird; und es mögen noch so viele an- dere Geschwülste vorkommen, die gelegentlich auch einen breiigen Inhalt bekommen, wir sondern sie von dem Atherom ab.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21466221_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


