Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung : ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte / von Hans H. Meyer und R. Gottlieb.
- Meyer, Hans H. (Hans Horst), 1853-1939.
- Date:
- 1914
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Credit: Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung : ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte / von Hans H. Meyer und R. Gottlieb. Source: Wellcome Collection.
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![Pliarmakologie der motorisclieii NerYenendigimgen. Eine pharmakologische Beeinflussung des Nervensystems ist in Einleitung. allen seinen Teilen möglich; doch sind die Nervenendigungen und Nervencentren viel leichter den Giftwirkungen zugänglich als die Leitungsbahnen. Dies hängt wohl zum Teil mit der geringeren Blutversorgung der gefäßarmen Nervenstämme zusammen; vor allem aber liegen die funktionierenden Elemente der Nervenendigungen bloß^ während die markhaltigen Nervenstämme durch ihre Scheide isoliert und vor dem Angriffe der Gifte geschützt sind. Doch ist dieser Schutz kein vollständiger. Wenn man bloßliegende Nervenstämme mit Gift- lösungen benetzt oder sie flüchtigen, in den Markfetten löslichen Dämpfen (Äther, Chloroform u. s. w.) aussetzt, so können sowohl abnorme Er- regungen als auch lähmende Wirkungen beobachtet werden (vgl. hierüber Joteyko und Stephanowska^, Soioton und Waller'^). Praktisch aber kommt eine Giftwirkung auf die Nervenstämme nur dann in Betracht, wenn man, z. B. bei der Cocainanästhesie, absichtlich eine hohe Konzen- tration des Giftes in der Umgebung des Nerven einwirken läßt, oder wenn eine subcutane Ätherinjektion zufällig einen Nervenstamm trifft und dann unerwünschte Giftwirkung äußert. Wir beginnen mit der Pharmakologie der motorischen Nerven- endigungen, u. zw. mit der pharmakologisch gut analysierten Wirkung des Curare. Therapeutisch 'wird es wenig gebraucht, doch soll uns das Curare dazu dienen, einige allgemeine Begriffe der Giftwirkung zu erläutern. A\ ir halten es für zweckmäßig, erst nach dieser Erörterung die Pharmakologie des centralen Nervensystems und darauf die der sen- siblen Nervenendigungen zu behandeln, endlich eine Übersicht über das vegetative Nervensystem anzuschließen. Das südamerikanische Pfeilgift Curare (Urari, Worara), das die Indianer am Orinoco, am Amazonensti’om und in Guyana zur Ja^-d und im Kriege benutzen, stammt von verschiedenen Giftpflanzen aus der I amihe der Loganiaceen. Verschiedene Keisende, insbesondere auch Humboldt von der Bereitung des wässerigen, trockenen Extrakts zu dem die Indianer noch allerlei fremde Zusätze machen, und von P Heglr’^üofInstitut Solvay, 'J'ravaux Tome IV, piibl. ] ■ Sowton u. Waller, Journ. of Phys. 1898, Suppl. 23. 18GO V®‘‘nnhioktialen Gegenden Amerikas 1799 bis 180. löOU, U(l. 4 S. 80. Vgl. ferner über Curare Appun, Unter den Tronen Jena 187( und Schombttrfflc, Reise in liritisch-Guyana 1840—1844. ’ LSltninnf) fl&f inotari- schen Jfferven- enili- (/nngen. Curare.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28109740_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


