Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung : ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte / von Hans H. Meyer und R. Gottlieb.
- Meyer, Hans H. (Hans Horst), 1853-1939.
- Date:
- 1914
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Credit: Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung : ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte / von Hans H. Meyer und R. Gottlieb. Source: Wellcome Collection.
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![Oiiraic. Ausschluß des Nerv, ischiadicus kaim mau ein Hinterbein des Frosches ohne Störung der Innervation aus dem Kreislauf ausschalten. Das Blut o-elangt dann in dieser Extremität nicht an die Peripherie. Vergiftet man durch Injektion am Rumpf mit Curare, so bleibt nur das unter- bundene Bein von der Vergiftung verschont, der ganze übrige Frosch wird curarisiert. Im unterbundenen Bein beobachtet man sowohl spontane als bei Reizung irgendwelcher Hautstellen reflektorische Bewegungen. Reizt man vom Rückenmark oder vom bloßgelegten Ischiadicus a,us, so erhält man in dem ausgeschalteten Bein Zuckungen, in dem vergüteten nicht. Daraus folgt, daß das Curare dem Centralnervensystem gegen- über zunächst unwirksam ist, daß der Angriffspunkt des Giftes also in der Nervenperipherie liegt; hier wiederum sind die Nerven- stämme auszuschließen, da sie, in Curarelösung eingelegt, ihr Leit- vermögen nicht verlieren. Es ergibt sich also, daß das Gift die Nerven- endapparate in den Skeletmuskeln außer Tätig- keit setzt, ohne andere Gebiete zu beeinflussen. Schon Fontana' war um die Mitte des XVIII. Jahr- hunderts der Erkenntnis der Nervenendwirkung sehr nahe gekommen, indem er die Unwirksamkeit des Curare auf den Nervenstamm und auf die Muskeln erwies. Da er die besonderen Nerveneudapparate noch nicht kannte, verlegte er den Angriffspunkt des Giftes in das Blut. Indes spricht er bereits von dem Einwand, „daß das Viperngift und das amerikanische Gift nur auf die letzten Enden der Nerven wirken könnten, und daß dies der Grund sei, warum sie unschuldig sind, wenn mau sie auf die Stämme der Nerven legt“. Da aber „die innere Substanz der Nervenstämrae nicht von derjenigen unterschieden sei, welche sich an dem Ende der Nerven befindet“, so weist er diese H5'pothese zurück. Wie verhalten sich nun die sensiblen Nervenendigungen nnd Nervenbahnen? Sie sind in der Curarewirknng intakt. Da man von jeder vergifteten Hautstelle aus in dem nach CI. Bernard geschützten Bein Reflexbewegungen auslösen kann, so folgt, daß die sensiblen Nerven- endigungen erregbar geblieben sind, und daß die sensiblen Leitungsbahnen den Reiz zum Rücken- mark tragen. Dieses Experiment lehrt aber auch weiter, daß die Reflex- apparate im Rückenmark während der Curarisierung funktionsfähig bleiben. Die Curarewirknng ist also auf die motorischen Endapparate beschränkt. Die motorischen Leitungsbahnen w^erden durch reines Curarin nicht beeinflußt. Daß selbst die feinsten intramuskulären Nervenzweige — wenio-stens in den ersten Stunden der Vergiftung — leitungsfähig bleiben, hat Kiihne^^m sinn- reichen Versuchen am Musculus gracilis des Frosches nachgewiesen. Es gelan“- ihm, diesen durch eine Inskription in zwei funktionell selbständige Teile getrennten Muskel in seiner oberen Hälfte zu curarisieren, während die untere durch eine Unisehniining von der Vergiftung frei blieb. Da nun die gleiche Stainmfaser. vor Z L oberer Teil des M. gracilis curarisiert. K unterer Teil, vor der Ourarewirhimg geschützt. Die beidesi Teile an der Inskription getrennt. Abhandlung über das Viperngift, die amerikanischen Gifte ei ] lorenz 1781. Aus dem Ir.aiizösisehen übersetzt. Berlin 1787. ir -1 ,1^ Wirkung des Pfeilgiftes auf die Nervenstämir Heidelberg 1886, Festschrift des nat. iiied. Vereins, Wintersche Buchhandlung. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28109740_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


