Anleitung zur qualitativen und quantitativen Analyse des Harns : sowie zur Beurtheilung der Veränderungen dieses Secrets mit besonderer Rücksicht auf die Zwecke des praktischen Arztes zum Gebrauche für Mediciner, Chemiker und Pharmaceuten / von C. Neubauer und Jul. Vogel.
- C. Neubauer
- Date:
- 1890
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Credit: Anleitung zur qualitativen und quantitativen Analyse des Harns : sowie zur Beurtheilung der Veränderungen dieses Secrets mit besonderer Rücksicht auf die Zwecke des praktischen Arztes zum Gebrauche für Mediciner, Chemiker und Pharmaceuten / von C. Neubauer und Jul. Vogel. Source: Wellcome Collection.
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![deren nachwiesen, wenn die Reaction in Gegenwart von concentrirter Alkalilauge vor sich geht. Die Steigerung der Concentration der Lauge ist für die Verminderung des Verlustes von grösserem Einfluss als die Vermehrung des Broms. Auf diese Thatsache hat Pflüger ein beson- deres Verfahren zur Harnstoffbestimmung gegründet (II. 3). Das Deficit ist ferner gering in höherer Temperatur und nimmt ab (S. 187) bei Gegenwart fremder Substanzen in der Harnstofflösung. 1. Hüfner und Schleich konnten den Verlust an Stickstoff bei Ver- wendung einer 0,5 proc. Harnstofflösung statt einer 1 proc. von 4.50/0 auf lO/o und darunter herabdrücken. Falck erhielt (bei Gegenwart von überschüssiger Alkali- lauge) aus 2 proc. Harnstofflösung 99,200/o des berechneten Stickstoffs, aus 1 proc. Harnstofflösung 99,27, aus 0,5 proc. 99,91 O/o; Arnold, unter ähnlichen Verhält- nissen, aus 2 proc. Harnstofflösuug 98,240/o Stickstoff, aus 1,5 proc. 99,07, aus Iproc. 99,78; Wormley im Mittel (aus 10—40 mg Harnstoff) 99,920/o des Stick- stoffs, wenn nicht mehr als 1 Theil Harnstoff auf 1200 Theile der gesammten Flüssigkeit vorhanden war. 2. Mit einer Lauge, welche in 1250 cc 25 cc Brom (und 100 g Natronhydrat) enthielt, sahen Pflüg er und Schenck bei Verwendung von Iproc. Harnstoff- lösung den Verlust an Stickstoff auf 13,8—22,2, Schenck auf 22,6—37,30/o steigen; mit einer Lauge, welche dieselbe Menge Brom und Natronhydrat in nur 250 cc Wasser gelöst enthielt (Knop'sche Lauge), betrug der Ausfall an Stickstoff in den Versuchen von Pflüger und Schenck 4,40/o, in denen von Schenck 4,20/0; mit Lauge, welche dieselben Bestandtheile in 150 cc Wasser gelöst ent- hielt, sank nach Schenck der Fehler auf 1,42 und l,590/o. Fester verminderte durch Verwendung einer bromreicheren Lauge den Verlust an Stickstoff' von 7,7 auf 2,00/o, Arnold durch Verwendung einer Lauge mit 8 cc Brom in 100 cc auf 1,50/0. Mit diesen Thatsachen steht die allgemein gemachte Erfahrung in Zu- sammenhang, dass eine alte Bromlauge die Zersetzung mangelhafter bewirkt, als eine frische; ferner, dass eine Bromlauge, welcher man das Brom nur tropfen- weise unter möglichster Vermeidung der Erwärmung zugesetzt hat, nach Pflüger den Harnstoff vollkommner zersetzt, als eine ohne Befolgung dieser Vorsichts- maassregeln bereitete. Ferner liefert nicht jedes Brom die gleichen Resultate. Zum Theil wenigstens erklärt sich aus diesen Erfahrungen auch, dass die Zer- setzung eines grösseren Volumens Harnstoff'lösung mit einem grösseren Verlust an Stickstoff' verbimden ist, als die Zersetzung eines kleineren Volumens derselben Concentration; daher ist der Vei'lust im Hüfner'schen Apparat nach Schleich^) sowie nach Pflüg er und Schenck grösser, wenn die die Harnstoff lösung auf- nehmende Kapsel grösser, kleiner, wenn sie kleiner ist. Vergl. Wormley unter 1. Es macht sich also auch die Form des Zersetzungsgefässes geltend. 3. Vermischt man die Harnstoff lösung vor dem Zufluss der Bromlauge mit Alkalilauge, so erhält man mehr Stickstoff, als wenn man die Anwendung der Alkalilauge unterlässt. Arnold fügte 5 cc der Harnstofflösung 12,5 cc einer Kali- lauge von 1,48 Dichte (45O/0 KHO) (in einer 17,5 cc grossen Kapsel des Hüfner- schen Apparats) hinzu und gelangte so zu den oben (1.) erwähnten günstigen Re- sultaten. Duggan erhielt aus 2,0—7,1 proc. Harnstofflösung 99,02—99,9lO/o des Stickstoffs, wenn er die Bromlauge erst nach der Alkalilauge der Harnstofflösung zusetzte. Falck befolgte bei den Versuchen, deren Resultat unter 1. mitgetheilt ist, ein ähnliches Verfahren. Pflüg er verminderte in dieser Weise den Ausfall an Stickstoff bei Verwendung von 4—5 cc 1 proc, 0,5 und 0,25 proc. Harnstoff- lösung, gegenüber seinen anderen Erfahrungen auf 3,6, 3,7 und 3,9O/o; in andern solchen Versuchen von Pflüger und Schenck betrug der Fehler 2,4—5,00/o. 1) Schleich, Journ. f. prakt. Ch. [2] 10. 262.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20395358_0544.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)