Anleitung zur qualitativen und quantitativen Analyse des Harns : sowie zur Beurtheilung der Veränderungen dieses Secrets mit besonderer Rücksicht auf die Zwecke des praktischen Arztes zum Gebrauche für Mediciner, Chemiker und Pharmaceuten / von C. Neubauer und Jul. Vogel.
- C. Neubauer
- Date:
- 1890
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Credit: Anleitung zur qualitativen und quantitativen Analyse des Harns : sowie zur Beurtheilung der Veränderungen dieses Secrets mit besonderer Rücksicht auf die Zwecke des praktischen Arztes zum Gebrauche für Mediciner, Chemiker und Pharmaceuten / von C. Neubauer und Jul. Vogel. Source: Wellcome Collection.
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![gleichfalls günstig für das Verfahren aus. Christenseu dagegen ver- wirft es. In Dillner's 35 Bestimmungen betrug der mittlere Fehler bei einem Eiweiss- gehalt des Harns von 0,05—2,13 /o 0,054 g, der kleinste 0,002 g, der grösste der aber nur 4mal vorkam, 0,1g. — Veale hat 10 Harne mit 4,06 p. M. (3,0—5,4) Eiweiss untersucht. Die Abweichungen von den Wägungsbestimmungen' waren positiv und negativ, schwankten zwischen — 0,8 und + 0,5 g im Liter und betrugen im Mittel 6,60/o (0—21,0) des gewogenen Eiweisaes. — Bitter sowie Czapek erhielten nach Esbach stets weniger Eiweiss als durch Wagen und zwar nahm der Fehler im Allgemeinen mit der Menge des Eiweisses zu. In den 15 Fallen von Bitter enthielt der Harn im Mittel 0,127 O/o (0.022—0,34) Eiweiss. Die Abweichung betrug im Mittel 0,017 g (0,005—0,038) oder 16,2O/o (5,9—28,6) des gewogenen Eiweisses.— Die 23 Harne, welche Czapek untersuchte, enthielten im Mittel 0,21 O/q (0,05—0,52) Eiweiss. Der Fehler betrug im Mittel 0,045 g (0—0,16) Eiweiss oder IsÖ/q (0—50) des gewogenen Eiweisses. — Christensen und M y g g e haben denselben Harn, in welchem Chris tensen das Eiweiss dem Gewicht nach bestimmte, jeder für sich an einem anderen Orte nach Esbach untersucht, und zwar Christenseu in 33, Mygge in 32 Fällen. Der Harn stammte von 8 verschiedenen Kranken und enthielt 0,4—8,9 p. M. im Mittel 3,57 (Ch r i s t e n s e n) und 3,95 (Mygge) Eiweiss. Bei Mygge betrug der Fehler im Mittel 0,95 g (—3,5 bis +1,3) oder 22,60/o (—56,7 bis +50,0), bei Christensen 0,86g (—1,7 bis +3,4) oder 26,8 0/0 (— 21,5 bis + 75 0/o) des gewogenen Eiweisses. Diese Parallelbestimmungen nach Esbach hatten also ein sehr verschiedenes Besultat; die Unsicherheit des Ergebnisses geht noch deutlicher aus dem Umstand hervor, dass in 13 Fällen der Fehler bei Christensen positiv war, wo er sich bei Mygge als negativ ergeben hatte. Diese Yerschiedenheiten haben ihren Grund hauptsächlich in der Ungleich- heit der Temperatur, bei welcher die Versuche ausgeführt wurden. Der Umstand, dass von Bitter und von Czapek nach Esbach immer weniger Eiweiss gefunden wurde, ist vielleicht gleichfalls darin zu suchen, dass bei diesen Versuchen die Temperatur höher war, als sie sein sollte (bei Czapek 200); oder darin, dass die Albuminimeter für Eiweiss geaicht waren, das bei niederer Temperatur getrocknet wurde, als in den Bestimmungen von Bitter und von Czapek. Für eine auch nur einigermassen befriedigende Bestimmung der absoluten Eiweissmenge ist das Esbach'sehe Verfahren also durchaus nicht brauchbar. Es lässt nur grobe Schätzungen zu, die kaum genauer ausfallen, als die Schätzung der Eiweissmenge nach der Höhe des bei der Kochprobe entstehenden Niederschlags. Wenn jedoch die Bestim- mungen nach Esbach immer bei derselben Temperatur und unter Ein- haltung der übrigen Regeln vorgenommen werden, so wird man erfahren können, ob der Eiweissgehalt eines Harns zu- oder abgenommen hat; vernachlässigt man die Temperatur, so kann es allerdings geschehen, dass man die Eiweissmenge gegen früher vermehrt findet, wo sie in Wirklichkeit vermindert ist und umgekehrt. E. Andere indirekte Methoden. 1. Die polarimetrische Bestimmung führt nur zu ungenauen Eesultaten, weil der Harn bei Albuminurie in der Eegel zwei verschiedene Eiweisskörper mit verschiedener speciflscher Drehung, nämlich [ajo = — 63,6 für das Albumin und [a]o = — 47,8 für- das Globulin neben einander enthält und weil der Harn Eigen- drehung besitzt. Die Grenzen der Fehler, welche durch die Gegenwart dieser zwei Eiweisssubstanzen in einem optisch inactiven Lösungsmittel bedingt siud, lassen sich von vornherein feststellen. Bezieht man die beobachtete Drehung auf](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20395358_0582.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)