Beiträge zur Pathologie und pathologischen Anatomie des Centralnervensystems : mit Bemerkungen zur normalen Anatomie desselben / von Arnold Pick.
- Arnold Pick
- Date:
- 1898
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Credit: Beiträge zur Pathologie und pathologischen Anatomie des Centralnervensystems : mit Bemerkungen zur normalen Anatomie desselben / von Arnold Pick. Source: Wellcome Collection.
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![Interessant sind aucli die Schwankungen in der Intensität der Störungen, wie sie Schw. zeigt; dieselben sind schon wieder- holt beobachtet; so berichtet z. B. Lissauer (Arch. f. Psych. XXI. S. 238) von seinem Kranken über sehr auffällige, unregelmässige Schwankungen „derart, dass an einem bestimmten Untersuchungs- termin der Kranke viel mehr zu leisten imstande war, als am vorher- gehenden und nachfolgenden, und sagt weiter, dass diese Schwankungen von einer nicht aufgeklärten psychischen Disposition abhängen; und von aphasischen Kranken sind solche Schwankungen seit Langem be- kannt^). Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man den affectuösen Anteil der Vorgänge unter jenen Momenten an erste Stelle rückt. Rabus (1. c. p. 25) spricht die Ansicht aus, dass Kranke, die complete Asymbolie zeigen, „naturgemäss stuporös erscheinen müssen, da ihnen jeder bestimmte und verständliche Anstoss von aussen fehlt und für ihr geistiges Leben der grösste Teil der Vorstellungen ver- loren gegangen ist. Bei dieser psychologischen Construction hat nun Rabus offen- bar infolge nicht genügender Beachtung des auch von ihm selbst liervorgehobenen Umstandes (1. c. 22), dass in einzelnen Fällen von Seelenblindheit die optischen Erinnerungsbilder nicht verloren gegangen sind, nicht in Betracht gezogen, dass bei Asymbolischen das gleiche Verhalten auch in den andei'en Sinnesgebieten stattfinden kann und solchen Kranken dann eben nicht der grösste Teil der Vorste]luno;en für ihr geistiges Leben verloren gegangen ist; ich glaube, dass aber noch ein anderer Umstand von Rabus nicht richtig in seinen AVirkungen erfasst ist, nämlich der, dass dem Kranken jeder b e - stimmte und verständliche Anstoss von aussen fehlt; unser Kranker zeigt entschieden, dass auch die ihm unverständlichen An- stösse (über die Bestimmtheit derselben wird sich schwerlich etwas Sicheres aussagen lassen) ihn zu psychischer Thätigkeit, zuj' Aufmerk- samkeit auf dieselben anregen. Damit entfällt auch die weitere Schluss- folgerung von Rabus und unser Kranker bietet einen, wenn auch wegen der Intactheit des acustischen Verständnisses nicht vollständigen, aber wie ich glaube, zureichenden Nachweis für die gegenteilige Ansicht. Für die hier vorliegende Frage kann aber weiter auch noch mein vorher citierter Fall von Asymbolie verwertet werden, der in- sofern noch beweiskräftiger als der vorliegende ist, als die Herde in beiden Schläfelappen, in den Parietal- und Occipitallappen es sehr wahrscheinlich machen, dass alle höheren Sinne an der schweren Asymbolie Teil hatten und ein Blick in die (1. c.) Krankengeschichte zeigt, dass die so von der Aussenwelt gewiss nur wenig bestimmte und kaum verständliche Anstösse empfangende Kranke, man könnte sagen, mit allen in Betracht kommenden Sinneswerkzeugen auf jene Fall in bedeutsamer Weise zur Lösung der neuerlich von Flechsig aufgerollten Controverse mit Wernicke (S. des ersteren „Localisation der geistigen Vorgänge 1896, S. 52) beitragen dürfte. 1) Auf den Anteil eines psychischen Factors in der Genese dieser Differenzen hat neuerlich Byrom Bramwell (Edinb. med. J., 1897, Juli, p. 5) aufmerksam gemacht. Vergi. hierher auch Thatsachen und Bemerkungen von Rieger (1. c. s. 8. 54 f.)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21294367_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


