Beiträge zur Pathologie und pathologischen Anatomie des Centralnervensystems : mit Bemerkungen zur normalen Anatomie desselben / von Arnold Pick.
- Arnold Pick
- Date:
- 1898
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Credit: Beiträge zur Pathologie und pathologischen Anatomie des Centralnervensystems : mit Bemerkungen zur normalen Anatomie desselben / von Arnold Pick. Source: Wellcome Collection.
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![Anstösse reagiert, ja selbst dort, wo solche fehlen, sozusagen spontan nach jenen, förmlich wie mit Fangarmen, sucht'). Rabus (]. c. p. 1.8) betont auch die Unfähigkeit solcher Kranken zur Erwerbung neuer optischer Erinnerungsbilder, und man kann ihm wohl zustimmen, dass „dieser Defect wahrscheinlich auf einem schnellen Vergessen des optischen Eindruckes, d. h. auf einer grossen Schwäche des optischen Gredächtnisses und auf einer raschen Ermüd- barkeit der Aufnahmekraft beruht; doch kommt zum Mindesten für unseren Fall noch ein anderes Moment in Betracht: die Unvollständiff- keit der betreffenden Sinnesempfindungen; obzwar es ja physiologisches Verhalten ist, dass zum Erwerb eines Erinnerungsbildes nur eine oft recht beschränkte Zahl von Componenten eines Sinneseindruckes not- wendig ist, wird die Zahl dieser doch nur bis zu einem gewissen Grrade verringert sein dürfen, soll ein Erinnerungsbild hatten bleiben; bei der auch nach Ausweis des Sectionsbefundes beträchtlich ge- störten optischen Perception wird man diesem Factor gewiss auch einen bedeutenden Anteil an jenem Defecte zurechnen dürfen''^). Wernicke (Lehrbuch der Gehirnkrankheiten, III, 1888, S. 553 und der aphasische Symptomencomplex, 1874), der zuerst den von Finkelnburg aufgestellten Begriff der Asymbolie näher präcisiert, versuchte auch zuerst die psychologischen Erscheinungen derselben zu construieren. „Diese Kranken sehen augenscheinlich, da sie jedem Hindernisse ausweichen, sie hören auch, wie man von ihrem Gesichts- ausdrucke ablesen kann, sie tasten ab, was sie in den Händen haben und verraten dabei keine Ungeschicklichkeit, aber alle so gewonnenen Eindrücke sind ihnen fremd, daher nutzlos, die Fähigkeit, vermittels derselben die Dinge wiederzuerkennen, ist ihnen verloren gegangen. Als eine Folge dieses Umstandes wird man das weitere Symptom der Willenlo sigkeit betrachten müssen, das diese Kranken regel- mässig bieten, es fehlt ihnen die Haupttriebfeder des Handelns, die in der Verwertung neuer Sinneseindi'ücke besteht. Der so präcisierte Standpunkt ist seither durch die Arbeit seines Schülers Lis sauer überholt und demnach nicht gegen die hier gemachten Ausführungen zu verwerten. Man wird jetzt Asymbolie mit Erhaltensein der Erinnerungsbilder und gestörter Identification durch Leitungsunterbrechung und Asymbolie durch Ausfall der Erinnerungsbilder zu unterscheiden und zunächst wohl darauf die Differenzen in dem psychischen Verhalten solcher Kranken zu beziehen haben. Für den immerhin bedeutenden Grad geistiger Regsamkeit unseres Kranken ist wohl der Qmstand heranzuziehen, dass ihm, wie wiederholte Prüfungen ergaben, neben den intacten acustischen, jeden- falls ein beträchtlicher' Terl seiner übrigen Erinnernngsbildei', speziell der optischen, erhalten geblieben^); die Erinnerungsbilder der übrigen 1) Ich verkenne nicht die Schwierigkeit der Analyse so complicierter pathologischer Erscheinungen, halte aber trotzdem die oben gegebene Deutung für die wahrscheinlichste. 2) Vgl. hierher die Bemerkung auf S. 9 betreffend die perceptive Seelen- blindheit Flechsig's. 3) Nachträgliche Bemerkung. Unser Fall bildet in dieser Hinsicht eine Art Gegenstück zu dem bekannten Falle Voit (Grashey-Sommer), von dem ganz neuerdings Wolff (Ueber krankhafte Dissociation der Vorstellungen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21294367_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


