Beiträge zur Pathologie und pathologischen Anatomie des Centralnervensystems : mit Bemerkungen zur normalen Anatomie desselben / von Arnold Pick.
- Arnold Pick
- Date:
- 1898
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Credit: Beiträge zur Pathologie und pathologischen Anatomie des Centralnervensystems : mit Bemerkungen zur normalen Anatomie desselben / von Arnold Pick. Source: Wellcome Collection.
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![Anatomen etwa einige Monate alt, hat nnzAveifelhaft nichts mit dem anfänghchen klinischen Symptomencomplex zu thun und ist als ein Accedens zu der schon lange vorhandenen linksseitigen Hirnatrophie an- zusehen; diesem Umstände ist es wohl auch zuzuschreiben, dass sich dasselbe, wahrscheinlich infolge schubweiser Entwicklung klinisch nicht irgendwie auffällig markiert hat, Avie ja auch bei anderen atro- pliischen Zuständen des Gehirns, speciell bei der Dementia para- lytica, sieh solche Blutcysten gelegentlich als unerwartete Befunde vorfinden. — Als Gegenstüclv zu dem im Vorstehenden mitgeteilten und in seinen Besonderlieiteii erörterten Falle teile ich jetzt einen mehr typischen Fall von transcorticaler sensorischer Aphrasie mit. Am 20. Februar 1894 wird die 61 (■) Jahre alte Witwe Karoline Euzicka zur Klinik gebracht mit einem ärztlichen Zeugnis, das, so mangelhaft es auch ist, deshalb hiev im Wesentlichen reproduciert wird, weil es recht prägnant, so- ziisa;;-('ii in nucr, den Zustand der Kranken wiederg'iebt; der Arzt schreibt: ,,Eine ausführliche Ki-ankengeschichte kann ich nicht geben, weil ihr Geisteszustand derartig ist, dass man nicht einmal ihren Namen riclitinstcllen kann. Auf Fragen antwortet sie derart, dass sie das-letzte Wort der ihr vorgelegten-Frage wiederholt: sonst führt sie zusammenhangslose Eeden. Die erst später vom Sohne eingeholte Anamnese ergiebt folgendes: Patientin leidet seit 20 Jahren an Kopfschmerzen und war damit oft 8—4 Wochen bett- lägerig: sie arbeitete immer mit der rechten Hand; die Schwäche des linken Armes rührt angeblich davon her, „dass sie sich ihn vor vielen Jahren aus- renkte : sie konnte bis zu ihrer Erkrankung lesen und schreiben. Vor II/2 Jahren lag sie mit einer fieberliafteii Krankheit 8 Wochen darnieder, A\-ährend welcher sie delirierte (sah Bauern, sprach von Wasser). Als sie aufstand, hatte sie kein Gedächtnis mein': sie ging im Hemde auf die Strasse, Hess den Laden ohne Auf- sicht offen stehen, legte sich um 5 oder 6 Uhr abends zu Bett. Krämpfe, Ohniuachten oder Lähmungen wurden nicht beobachtet. Bis zum August 1893 S])racli sie noch ziendich gut, fragte Tind antwortete zieudich richtig, nur war sie etAX'as traurig und sprach manchmal unzusammenhängend. Als ihr Mann um diese Zeit starb, erkrankte sie wieder, angeblich untei- Fieber, das 2 Tage an- hielt : während dieser Zeit war sie bettlägerig; an dem Begräbnis nahm sie jedoch schon wieder Teil, sprach aber nichts mehr, sondern wiederholte, wenn sie gefragt wurde, immer die Worte des Fragenden. 4 bis 5 Tage danach wurde sie unrein, wollte den ganzen Tag schlafen; später entlief sie öfter im Hemde. Ihr Sohn fand sie dann einmal frierend im Walde und rufend: ,,Ich gehe nach Hause, ich gehe nach Hause. Eine Schwester der Kranken wurde nach dem Tode ihres Mannes geistes- krank und starb in der Irrenanstalt. 20. Februar. Mittags ruhig zur Klinik. Sitzt, ohne zu sprechen, bis zum nachmittägigen Examen. Nach ihrem Namen gefragt, wiederholt sie zuerst die letzten Worte der Frage imd sagt dann „vSequenz \md ein andermal auf die gleiche Frage wiedei- ,,Schauer, ei'st auf die Frage, ob sie die Euzicka sei, nach Wiederholung des letzten Wortes: ,,Ja. Wie alt- Wiederholt die Frage; woher':' wiederholt ebenfalls: was sie sei? Antwort: ,,sie sei, ob sie verheiratet'? wiedei'holt die Frage, dann ,,ja, ob sie Kinder hat'? ,,Nein. Leise angesprochen reagiert sie gar nicht. Dem Auftrage, die Zunge zu zeigen, kommt sie nach. Sie versteht anscheinend alle an sie gerichteten Befehle. Eine ihr gezeigte Uhr schaut sie verständnislos an und sagt dann ,,rechte Hand; das Gleiche wiederholt sie, als ihr eine Scheere gezeigt wird; als dann die Bewegung des Schneidens gemacht wird, zieht sie ihre Hand zurück ; Brot bezeichnet sie als chlebicka (richtig chlebicek), Semmel ebenfalls als chlebicka, einen Apfel richtig, eine Nuss wird zuerst als Apfel, dann als Nuss bezeichnet; ein Schlüssel wird als Dorf („vesnice) bezeichnet, seine Anwendung kennt sie nicht: eine Bürste (^Kartäc) wird als Schubkarren (Trakar) bezeichnet. Aus mehreren ihr vorgelegten Gegenständen greift sie richtig die verlangten Gegen- stände heraus.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21294367_0051.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


