Nervöse Angstzustände und ihre Behandlung / von Wilhlem Stekel ; mit einem Vorworte von Siegmund Freud.
- Date:
- 1908
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Credit: Nervöse Angstzustände und ihre Behandlung / von Wilhlem Stekel ; mit einem Vorworte von Siegmund Freud. Source: Wellcome Collection.
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![sperre ihnen den Atem; so sei einem Sterbenden zu Mute. Alle Symptome, wie sie sonst den Aitekt der Furcht und des Schreckens begleiten, können auch beim Angstanfall auftreten. Die Patienten werden blaß, sie ver- lieren das Gleichgewicht, müssen sich niederlegen. Sie ringen vergeblich nach Worten und Atem (vox faucibus haesit!). Heftiger Schweiß bricht am ganzen Körper aus, die Haare sträuben sich, es rieselt ihnen kalt über den Rücken (Cutis anserina). Ein heftiger Harndrang führt eine unwillkürliche Harnentleerung herbei. Oder ein stürmischer Stuhldrang äußert sich in Tenesmus, Bauchkrämpfen und Diarrhöen. Auch unwillkür- liche Stuhlabgänge kommen vor. Die Pupille erweitert sich. (Nach Fließ prämonitorisch die linke.) Häufig kommt es zu Ohnmacht, ]\Iigräne, Schwindel oder zu Tachykardieanfällen von außerordentlicher Intensität. Alle diese Erscheinungen kommen von den leichtesten bis zu den schwersten Graden, isoliert oder in mehrfacher Kombination und Variation vor. Ebenso wichtig wie das Verständnis des akuten Angstanfalles in seiner ausgesprochenen Form ist die genaue Kenntnis der nidimentären Angstanfälle, der sogenannten „Angstäquivalente. Es läßt sich fast eine Skala solcher Rudimente aufstellen, welche vom einfachen Unbehagen und der plötzlichen Verstimmung, von einer anfallsweise auftretenden Müdigkeit bis zu den höchsten Graden der Ohnmacht führt, da die Patienten plötzlich niedersinken, das ganze Haus alarmieren, und Arzt und Umgebung sich bemühen müssen, um die Störung des Organismus zu beheben. Die Kenntnis der rudimentären Angstanfälle ist für den Praktiker von größter Bedeutung. Freud nennt folgende Äquivalente des Angstanfalls: a) Störangen der Herztätigkeit, Herzklopfen mit kuraer Arhythmie, mit länger anhaltender Tachykardie bis zu schweren Schwächezuständen des Herzens, deren Unterscheidung von organischer Herzaifektion nicht immer leicht ist; Pseudoangina pectoris (ein diagnostisch heikles Gebiet!). h) Störungen der Atmung, mehrere Formen von nervöser Dyspnoe, asthmaartige Anfälle u. dgl. Freud hebt hei-vor, daß selbst diese Anfälle nicht immer von kenntlicher Angst begleitet sind. c) Anfälle von Schweißausbrüchen, oft nächtlich. d) Anfälle von Zittern und Schütteln, die nur zur leicht mit hysterischen venvechsclt werden. e) Anfälle von Heißhunger, oft mit Schwindel verbunden. f) Anfalls weise auftretende Diarrhöen. g) Anfälle von lokomotorischem Schwindel. h) Anfälle von sogenannten Kongestionen, so ziemlich alles, was man früher vasomotorische Neurasthenie genannt hat. i) Anfälle von Parästhesien (diese selten ohne Angst). j) Das plötzliche Aufschrecken der Erwachsenen im Schlafe (als würden sie einen Berg herunterfallen). k) Harndrang. l) Muskelkrämpfe. Ich möchte dieser Liste einige eigene und fremde Beobachtungen hinzufügen, deren Geringfügigkeit beweist, daß Freud das Wesentliche in seiner ersten Publikation betont hat. m) Plötzliches tiefes 7\ufseufzen. n) Ein unvennutct eintretendes Müdigkeitsgefühl, das sich bis zur Ohnmacht steigern kann.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21941774_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


