Nervöse Angstzustände und ihre Behandlung / von Wilhlem Stekel ; mit einem Vorworte von Siegmund Freud.
- Date:
- 1908
Licence: In copyright
Credit: Nervöse Angstzustände und ihre Behandlung / von Wilhlem Stekel ; mit einem Vorworte von Siegmund Freud. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
39/332 page 27
![Wir wt'.r(\(:u noU-hi-n ViiWcu nicht hilufi^r ])(ti!:(tij:n(-.n. Icli uf-rde jetzt l)ci li(;h|in!(;liiin{< (U',r (;inzc,ln(;ii Syrnj»t(jiin; d(;r Aiif^Htncurosc auch jene |{(i(j|>;i<'litijnprf;n vorfHlinin inllHHen, denen eine ordentlich«; IJokIh von llyHteriehei{j^(!iniHehtist und woKieh hedeutende Verdränfrunjren naehweiHen liiKWtn. Diene Fälle (rcjiiiren ei^'entlieh der An^^sthynterie Tden l'hohienj '/II. Alhtin eH {^iht t!iiiK<',nd (';her^'iin;re und \'ariation<!n. Auch Koiuhi- natioiicn mit NeiiraHthcnit;, Zwan^^Hiieuros«; und Hypochondrie werden wir kennen lernen. Dum Lehen kennt ehen keine SchuHälie. Wir wollen es daher nicht ho j^cjiau nehnutn und alle Fillle. wo die Angntneurose iil;(M*vvietrt, im Zusammenhan/^e mit dernelhcjj Ixtsprechen. HetrachKin wir einmal einen Fall, der eine deutliche hyBterische Struktur /eifj^t. Nr. 10. Herr A. Sch., 52 Jahre alt, klagt üher epileptlHche Anfälle. Er «r/.llhlt, daß er ei'neH Nacht« mit (mikmii fürchterlichen Bchrei aus dem Hcttf^ Hpraiif^. Er hrittc di(; Empfiiidunf.f, nr mÜHHC «ich mit dem Hchreien vor (lor MetiUihuiif? und dein Krhtickon r<ittcn. Dan paKHlcrtu ihm im Hotel. Sein Hru(l(!r, der mit ihm Kchlief, {^lauhte, cb wäre etwa« Bchreckliches geschehen, und „Htarh fast vor Angst. Dieser Anfall fand am 5. November 1907 .statt. Der erstf' dieser Anfälle hegah sich am 2.0. Juni 190.5, der zweite am 12. Juni 1900,*) Wi« in diesem Falle scheinbar ohne besonderen Anlal). Er schreit auch normalerweise öfters aus dem Hchlafc. Das bezeichnet er seine „kleinen Anfälle. Die „großen Anfälle nennt er „epileptische Anfälle, weil er als Kind angeblich an Epilepsie gelitten hat. Er war () Jahre alt, als er eines Nachts erwachte und die ganze Htadt in Feuer war. Nachher litt er an „epileptischen Anfällen. Sie traten immer bei Nacht auf. Er soll bei diesen Anfällen heftig geschrien haben fPavor nocturnus!). An die näheren Details erinnert er sich nicht. Diese Anfälle dauerten zirka ;{ Jahre. (Kr hat nie an Hettnässen gelitten.) Mit 14 Jahren lernte er die Onanie. Er s(!tzte sie viele Jahre fort. Mit 20 Jahren begann erden Koitus auszuführen, litt schon damals an Ejaculatio praecox. Mit 29 Jahren heiratete er und vollführte den Beischlaf anfangs etwas besser. Holt .5—(5 Jahren ist die l'otenz sehr herabgesetzt. 8(!in(! Frau ist aMg<?blich anästhetisch, sie bittet ihn immer, sie in Ruhe zu lassen. Deshalb führt er den Koitus sehr selten, in Pausen von 6 Wochen aus. Außerdem ist ihm der Koitus zuwider, weil seine Frau ein Gurami- pessar trägt. Er hat noch heute immer ein großes sexuelles Bedürfnis, das sich zeitweilig in gehäuften Pollutionen äußert. Es ist ja klar, daß es sich gar nicht um Epilepsie, sondern um Anfälle von l'avor nocturnus handelt, die sich bis in die letzten Jahre fortsetzten. Allein eine Analyse ergibt interessante Details zur Psychogenese des Anfalls. Vor dem angeblichen (letzten) „epileptischen Anfall hat er einen Roman gelesen. Dort war von einer Operation die ]{ede. Einem erblindeten Menschen wurde der Btar gestochen. p]r ist übertrieben ängstlich. Er geht sehr ungern zum Arzt, weil er fürchtet, er werde etwas Unangenehmes erfahren. Kein Ilorz beginnt stürmisch zu s(;hlagen und sein Puls steigt bis auf 140—100 Schläge. Die Lektüre hatte sein ängstliches Gemüt gewaltig erschüttert. * Die Didcn lial)e ich angeführt, weil sie keinen periodischen Einfluß erkennen lassen. Alle Anfülle \v:iicn nur psychisch motiviert.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21941774_0039.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


