Die Augenheilkunde des Ibn Sina / aus dem Arabischen übers. und erläutert von J. Hirschberg und J. Lippert.
- Date:
- 1902
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Credit: Die Augenheilkunde des Ibn Sina / aus dem Arabischen übers. und erläutert von J. Hirschberg und J. Lippert. Source: Wellcome Collection.
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![dem nur der hintere Theil derselben, der eben Aderhaut17 genannt wird. Derjenige Theil hingegen, welcher die eben er- wähnte Grenze nach vorn zu überschreitet, wird zu einer Haut von einiger Mächtigkeit18, himmelfarbig zwischen Weiss und Schwarz, um die Sehkraft zu sammeln, und um das Licht durch seine Wirkung zu regeln19, wie wir die Sehe zu bedecken pflegen bei der Ermüdung, die ihre Zuflucht nimmt zur Dunkelheit oder zur Vereinigung von Finsterniss und Licht (zum Halb- dunkel); und um eine Grenzscheide zu bilden einerseits zwischen den Feuchtigkeiten und andrerseits zwischen der Hornhaut, die eine so grosse Härte besitzt, und als ausgleichende Vermittlerin (zwischen beiden) dazustehen; und endlich um die Hornhaut zu ernähren20 mit dem, was sie selber vo.n der Aderhaut empfangen hat. Nach vorn zu greift sie nicht vollständig herum, um nicht das Eindringen der Bilder auszuschliessen; vielmehr lässt sie in ihrem vorderen Theil ein Fenster und Loch, wie es in einer Beere21 bleibt, wenn man von ihr den Stiel aus- reisst. In dieses Loch fällt (von den Seh-Strahlungen), was 17 Galen, /OQLOEidrjg yciüv. 18 Regenbogenhaut. Galen, c. 3, Qn/yoeidi'jg. 19 Obwohl die alten Griechen sowohl bleibende als auch vorüber- gehende Veränderungen der Pupillen-Breite gekannt und beschrieben haben, so finden wir doch die klare Angabe, dass die gesunde Pupille im Dunklen sich erweitert, im Hellen sich verengert, nicht in den er- haltenen Resten der griechischen Aerzte, sondern zuerst bei dem Araber al-Razi (Ad Almans. I, 8): Constringitur, cum lumen est multum, et dila- tatur, cum est in obscuro. Hoc autem foramen est pupilla. 20 Galen, c. 3. &QE\povza ibv KEQctTOEiör). 21 Im Arabischen steht Traube. Auch die Griechen haben auf diesem Gebiete öfters Traube mit Beere verwechselt, z. B. in (jKtcpvlcofia. Nicht dieses Bild der Weinbeere mit vorn ausgerissenem Stengel hatten die Griechen im Auge, als sie (nach Herophilos) entweder die Aderhaut mit- sammt der Regenbogenhaut oder die letzter^ allein als Qayoeidijg, d. h. beerenartige Haut, bezeichneten. Rufus (S. 135), Qayoeidijc, özt eolxs Qayi tt] e^co&ev leiöirju xal ifj evdo&ev daavzrjTi. S. 171: to Öe xsTqrjixevov acofia letov fiev iauv e^cü&ev . . . öaav ds änb tüjv anevTQanfjevcov, log cprjaiv 'Hqö- q>dog, doQÜ gayög (TTttq)vlrjg öfioiov. Ebenso Galen, c. 4, der otfiai hinzu- fügt. Aetios etwas anders (c. 1): toixs ~<yao oayi (jiaq)vlr)g to gxw& *«* %r\v xQÖav. (Vgl. H.'s Wörterbuch der Augenheilk. S. 10 u. 99; Gesch. d. Augenheilk. im Alterth. S. 196.) Seit den lat. Uebersetzungen der Araber ist das Wort uvea aufgekommen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21176814_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)