Die Wirkungen von Arzneimitteln und Giften auf das Auge : Handbuch für die gesamte ärztliche Praxis / von L. Lewin und H. Guillery.
- Louis Lewin
- Date:
- 1905
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Credit: Die Wirkungen von Arzneimitteln und Giften auf das Auge : Handbuch für die gesamte ärztliche Praxis / von L. Lewin und H. Guillery. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Kopfschmerz, Gedächtnissschwäche, erregbare und wechselnde Gemüths- stimmung, Schlaflosigkeit, starke Schweisse, Appetitlosigkeit, Verminde- rung des Geschlechtstriebes. Wiederholte Ohnmächten traten auf und Taubsein im Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Durch starken Tremor der Hände wurde er arbeitsunfähig. Seit ca. einem Jahre be- stand heftiger Tremor der Beine, während an den Händen durch die Behandlung Besserung erzielt wurde. Ausser diesen Erscheinungen waren bei der Untersuchung noch Hemeralopie, halbe Sehschärfe beiderseits, vorzeitige Presbyopie er- kennbar. Ein Scotom fehlte, aber starke conoentrische Gesichtsfeld- beschränkung mit sectorenförniigen Einschnitten war feststellbar.1) Der Mann soll ausserdem an „Ovarie gelitten haben. Wenn man sich aber das übrige Krankheitsbild ansieht, so muss man sagen, dass wenn hier eine toxische Hysterie vorlag, es kaum einen Fall von Schwefel- kohlenstoff-Vergiftung giebt, auf welchen diese Deutung nicht Anwendung finden könnte. Oharcot und Marie denken sich die Beziehungen der Schwefel- kohlenstoff-Wirkung zur Hysterie so, dass die erstere zwar nicht im Stande ist, einen mit gesundem Nervensysteme ausgerüsteten Menschen hysterisch zu machen, wohl aber die latent bereits vorhandene Hysterie hervorzurufen. Die toxische Wirkung würde also hier dieselbe Rolle spielen, wie ein körperliches oder psychisches Trauina. Schreck. Kummer etc., d. h. die Rolle des „agent provocateur. Wir halten diese Auffassung sowohl für die Schwefelkohlenstoff- Vergiftung, als auch für die durch Blei oder Quecksilber erzeugte für eine durchaus irrige. Die Gründe hierfür sind zunächst rein toxikologische und einwaneisfrei. Der Schwefelkohlenstoff gehört zu der Gruppe derjenigen Gifte, denen die Fälligkeit zukommt, fett- und iecithinartige Substanzen, Mark- und Myelinstoffe, aus jedem nervösen Gebilde, mit denen sie in directe Berührung kommen, proportional der wirkenden Menge und der Dauer der Berührung zu lösen, und so eine Störung des chemischen und also auch functionellen Gleichgewichts zu veranlassen. Diesem Einflüsse muss jedes Lebewesen unterliegen, gleichgültig ob es ein gesundes, krankes oder latent krankes Nervensystem besitzt. Es liegt hier ein gesetzmässiges chemisches Verhalten vor, das nur insoweit Aeusserungsverschiedenheiten aufweist, als die Menge des Giftes und die Dauer der Berührung verschieden ist. Nur in untergeordneter Weise kommt die individuelle Widerstandskraft in Frage, nicht mein- und nicht weniger als etwa bei der Wirkung des mit ähnlichen Eigenschaften versehenen Chloroforms oder Aethers. Bei keiner anderen Gruppe von Giften ist der Mechanismus des Wirkens so klar und durchsichtig wie bei diese]-, und deswegen ist die C harcot'sche Auffassung einer „Schwefelkohlenstoff- Hysterie unhaltbar. Ueberdies sprechen auch die klinischen Erfahrungen gegen dieselbe, da man selten bei den mit Schwefelkohlenstoff Arbeitenden die Stigmata der Hysterie fand und eine psychische Belastung bei den Erkrankten sehr häutig vermisste. Aber selbst wenn man hysterieartige Symptome bei solchen Vergifteten häutig linden würde, so würde hieraus noch kein dem Charcot'schen ähnlicher Schluss gezogen werden können, weil 1) Maas, Die Schwefelkohlenstoff-Vergiftung. Inaug.-Dissert. Berlin 1889.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21286875_0092.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)