Die Points douloureux Valleix's und ihre Ursachen / von Constantin Lender.
- Lender, Constantin, 1828-1888.
- Date:
- 1869
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Points douloureux Valleix's und ihre Ursachen / von Constantin Lender. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
4/80 page 2
![Der ausgiebige Gebrauch, welcher von dieser Erlaubniss gemacht ] worden ist, der Mangel an Erfolg, der offenbare Schaden, welcher an j die Ferse der Blut oder Säfte entleerenden Methode hie und da sich \ knüi^ft, hat dazu heigetragen, dass ein Tlieil der Gebildeten — ; unsere Mittel als gefährlich fürchtend — den Glauben an unsere i Wissenschaft verloren hat, dass selbst geschulte und redliche Aerzte I von dem uralten, gewaltigen Strome der medicinischen Wissenschaft ! sich losgelöst haben, um auf eignen Wegen die Wahrheit zu suchen. ^ Unsere Empirie hat jedoch schon rheumatische Entzündungen kennen gelehrt, z. B. den „acuten Gelenkrheumatismus“, hei welchen trotz sthenischeu Fiebers die Antiphlogose nutzlos, ja schädlich ist; gleichwohl ist die rheumatische Natur dieser gegen die Antii)ldogose j widerspenstigen Krankheitsform wie ein din-ch sein Alter ehrwürdiges Dogma niemals angetastet worden. Andererseits veimag eine thera- \ peutische Thatsache erst dann allgemeine Geltung sich zu verschaffen, I wenn sie nicht bloss von dem (iewichte hervorragender Persönlichkeiten 1 getragen, sondern wenn dargethan und allgemein eingeselien wii'd, ^ aus welchem Gi unde jene therapeutische Thatsache wahr sein muss und auf einer Täuschung einzelner Beobachter nicht bendien kann. So ' kommt es denn, dass, während in Berlin ein Candidat der Medicin im Examen wohl nicht bestehen wüi’de, wenn er die Nothwendigkeit > wiederholter Aderlässe zur Verhütung der Endocarditis im acuten I Gelenkrheumatismus behauptete, beispielsweise noch jüngst in Italien ] dem an acutem Gelenkrheumatismus erkrankten Ingenieur Hermann | Oelschig trotz seiner Gegenvorstellungen, trotz seiner Berufung auf j medicinisclie Auctoritäten auf Beschluss dreier namhafter Aerzte Brescia’s genau 3^4 Kilogramm, also 6V2 Pfund Blut in ö Aderlässen entzogen worden sind, und weil seine athletische Constitution diesen Eingriff übenvundeii hat, der Schluss gezogen worden ist, dass er mir diesem Verfahren seine Rettung und finihere Integrität zu verdanken hätte. Welche gewaltige Kluft in unserem klinischen Handeln, trotz- dem die Wissenschaft universell und die Intelligenz nicht Eigentlmm einer Ra^e, noch weniger einer Nation ist! Dass wir ausserdem unwidei’steldich geneigt sind, gegen jede Ent- zündung, wo wir Galor, Rubor, Dolor, Tumor und Fieber sehen, das leichte und schwere Geschütz der Antiphlogose aufzufahren, liegt ferner darin, dass pathologisch-anatomische Begriffe uns dominiren. Im Beginne unserer Laufbahn fragen -wir uns daher mit dem Scheine des grössten Rechtes, weshalb, wo zuviel Blut sich anhäuft und zuviel Reizung besteht, die Rettung nicht in einer Blut oder Säfte entleeren- \ den Methode gesucht werden soll. Sowie unsere Diagnose, sobald die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22334889_0006.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


