Zwölf Vorlesungen über den Bau der nervösen Centralorgane : für Ärzte und Studirende / von Ludwig Edinger.
- Ludwig Edinger
- Date:
- 1892
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Credit: Zwölf Vorlesungen über den Bau der nervösen Centralorgane : für Ärzte und Studirende / von Ludwig Edinger. Source: Wellcome Collection.
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![5. Maceriren. Man kann gute Präparate von Ganglienzellen durch Maceriren in folgender Weise hersteilen: Mit einer Scheere werden vom Quer¬ schnitt eines frischen Ochsenrückenmarkes zahlreiche feine Stückchen aus dem Grau entnommen. Diese bringt man in eine Mischung von gleichen Theilen 3proc. Kali bichromicum-Lösung und filtrirten Speichels. Da bleiben sie 3 bis 4 Tage. Dann können sie leicht zerzupft werden. Oder man legt die Stückchen in ein Reagirröhrchen, das mit 96proc. Alcohol (1 Theil zu 3 Theilen Wasser) erfüllt ist, und schüttelt sie täglich mehrmals — nicht zu stark. Am dritten Tage etwa kann man den Alcohol abgiessen, irgend eine Anilinfarbe oder Pikro- carmin auf die Brockel bringen und nun einen weiteren Tag stehen lassen. Dann Abgiessen der Farbe, Aufgiessen von Wasser, Schütteln und Sedimen- tiren. Im Sediment findet man dann Brockel wie das in Fig. 22 abgebildete (Ranvier). Eine weitere Methode (Kronthal) s. S. 191. 1. 6. Färben. Die meisten früher gebräuchlichen Färbemethoden haben nicht electiv gefärbt. So erhält man z. B. durch Carminfärbungen oder durch solche mit Anilinfarben, wenn die übliche Härtung in chromsauren Salzen vor¬ hergegangen ist, immer Alles ausser den Markscheiden, also die Zellen, die Axencylinder, die Neuroglia und das Bindegewebe, allerdings in etwas ver¬ schiedenen Tönen, gefärbt. Die folgenden Färbungen basiren alle, soweit nicht anders angegeben, auf der vorherigen Härtung in Chromsalzen und auf dem Chromsalzgehalt der Stücke. Dieser sollte deshalb nie durch Auswässern ent¬ fernt werden. Einige Färbungen, wie z. B. die Hämatoxylin-Kupferlackimpräg- nation der Markscheiden, gelingen überhaupt nie ordentlich, wenn der Gehalt an Chromsalzen zu gering ist. Gegen diese wichtige Thatsache wird vielfach verstossen. A. Carminfärbung. Die Schnitte werden in Gerlach’schen Ammoniak- carmin, nanmntliqh in rosafarbig verdünnte Lösungen oder in Pikrocarmin ge¬ bracht. Sie: bleiben 1—12 Stunden darin. Von Zeit zu Zeit wird einer heraus¬ gezogen, ab^espült und angesehen. Die Färbung ist fertig, wenn alle Ganglien¬ zellen scharf mit ihren Ausläufern vortreten und die Axencylinder als rotlie Punkte in den hellen Ringen der Markscheiden erscheinen. Will man an in Celloidin eingebetteten Stücken Carminfärbung anwenden, so empfiehlt sich hier der vortreffliche Urancarmin von Schmaus. Derselbe färbt sehr rasch und lässt das Celloidin ungefärbt. Die Farbfhissigkeit wird in folgender Weise hergestellt : 1 g carminsaures Natron wird mit V2 g Uranurn nitricum verrieben und das Ge¬ misch mit 100 ccm Wasser ]/-2 Stunde lang gekocht. Nach dem Erkalten filtrirt man. Die Lösung färbt Rückenmarksschnitte in ca. '/2 Stunde, überfärbt aber auch in 24 Stunden kaum. Erhärten in Chromsalzlösungen ist Vorbedingung. B. Anilinfarben. Die sauren Anilinfarbstoffe, wie das wasserlösliche Anilin¬ blau, das Säurefuchsin, das Nigrosin und das englische Black-Blue, das viel¬ fach empfohlen wird, geben Bilder, welche den mit Carmin erreichbaren sehr ähnlich sind. Man bringt die Schnitte in wässrige Lösungen für ]/i —1/-2 Stunde und wäscht dann in Alcohol aus, wobei nicht zu viel Farbe durch Bewegen weggeschwemmt werden darf. Dann Nelkenöl und Canadabalsam. Am hiesigen Laboratorium werden seit Jahren alle empfohlenen Ganglien¬ zellfärbungen nachgeprüft, ohne dass es gelungen wäre, eine zu finden, die be¬ friedigend electiv färbt. Für Material, das zu pathologisch-anatomischen Unter¬ suchungen dienen soll, das also, um möglichst viele Methoden zu ermöglichen, in Chromsalzen erhärtet ist, wird man einstweilen aber die eben erwähnten Methoden nicht entbehren können. Etwas bessere Bilder erhält man noch, wenn man das von Gieson angegebene Gemisch anwendet: Wenige Tropfen einer Säurefuchsinlösung werden in concentrirte wässrige Pikrinsäurelösung so lange eingetragen, bis die Mischung eine dunkel granatrothe Farbe hat. Wenige Mi¬ nuten färben, dann in 1 Theil Wasser und 2 Theile Alcohol, darauf rasch durch](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2934895x_0202.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)