Zwölf Vorlesungen über den Bau der nervösen Centralorgane : für Ärzte und Studirende / von Ludwig Edinger.
- Ludwig Edinger
- Date:
- 1892
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Credit: Zwölf Vorlesungen über den Bau der nervösen Centralorgane : für Ärzte und Studirende / von Ludwig Edinger. Source: Wellcome Collection.
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![enthaltenen Fasern zwei ganz verschiedene Ursprungsarten nachweisen lassen. Alle motorischen Wurzeln entstehen als Axencylinderfortsätze von im ventralen Tlieil des Nervenrolirs liegenden Zellen. Jede Zelle sendet ein Fäserchen aus, das an die Oberfläche tritt und dort sich mit den Nachbarfasern zur Bildung eines ventralen Wurzelbündels vereint. Die sensor ischenWurzelfasern, die zumeist dorsal ah gehen, haben eine ganz andere Herkunft. Sie entstehen nämlich nicht im Centralorgan, sondern ausserhalb desselben, in den Ganglien, welche, neben diesem liegend, es auf seiner ganzen Länge begleiten. Die Zellen dieser Gang¬ lien (Spinalganglien und Ganglien der Hirnnerven) wachsen nach zwei Seiten zu Fasern aus. Eine dieser Fasern tritt in das Centralorgan ein, die andere wächst als sensorischer Nerv nach der Peripherie. Die Ganglien, welche für das periphere Nervensystem eine so wichtige Rolle zu spielen berufen sind, bilden in ihrer ersten Anlage jederseits von der Medullarlinie einen Strang, der bald mit dem der anderen Seite verwächst. So liegt eine Zeit lang die nun unpaare Ganglien leiste dorsal vom Nervenrohr, dieses abschliessend. Durch Wachsthumspro- cesse wird sie aber aus ihm herausgedrängt, sie zerfällt wieder in zwei Stränge, von denen jeder neben dem Medullarrohr liegt und bald segmentale Verstärkungen zeigt. Aus dieser Ganglienleiste entsteht neben dem secundären Vorderhirn die Riechgrube, neben dem Zwi¬ schen-, Mittel- und Hinterhirn der Complex der Trigeminusganglien; neben dem Nach¬ hirn sieht man aus der Ganglienleiste die Ganglien des Acustico-Facialis, des Glosso- pharyngeus und des Vagus entstehen. Auch die Gehörgrube, die zwischen diesen liegt, ist wahrscheinlich aus der Ganglienleiste ab¬ zuleiten (H i s, oppos. B e a r d). Weiter hinten folgen auf die genannten Ganglien der Hirn¬ nerven die Spinalganglien längs des Rücken¬ markes. Ra&xtuit. Fig. 10. Bückenmarksdurclischnitt eines menschlichen Embryo von 4 Wochen. Man sieht ventral die vordere Wurzel aus Zellen des Markes sich entwickeln. Dorsal wächst (nach einer Bracht von 4]j-2 Wochen) die hintere Wurzel aus Zellen des Spinalganglions ein. (Combinirt aus Ab¬ bildungen von His.) Die Wurzeln aller der eben genannten sensorischen Schädelnerven und die hinteren Wurzeln des Rückenmarks wachsen also erst aus den Ganglien in das Centralorgan hinein. Im Rückenmark entspricht im Allgemeinen je eine dorsale sensorische einer ventralen motorischen Wurzel, im Gehirn ist das aber nicht so. Die Gliederung der motorischen Kerne entspricht der¬ jenigen der Gangliencomplexe nur in sehr ungenauer Weise, es kommen der Ganglienleiste mehr Glieder zu, so dass auf einen Gangliencomplex mehrere motorische Nervenkerne fallen. Wie die anderen sensiblen Nerven entsteht auch der Olfactorius als eine vom Gehirn zunächst unabhängige Ganglienanlage, dorsal von der Nase. Aus dieser wachsen Nervenfasern gehirnwärts und wandern auch Ganglienzellen in gleicher Richtung. Der ganze Complex — Riech-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2934895x_0029.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)