Die astronomischen Tafeln des Muḥammed ibn Mūsā al-Khwārizmī in der Bearbeitung des Maslama ibn Aḥmed al-Madjrīṭī und der latein. Uebersetzung des Athelhard von Bath auf Grund der Vorarbeiten von A. Bjørnbo und R. Besthorn in Kopenhagen / hrsg. und kommentiert von H. Suter in Zürich.
- Al-Khwarizmi
- Date:
- 1914
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Credit: Die astronomischen Tafeln des Muḥammed ibn Mūsā al-Khwārizmī in der Bearbeitung des Maslama ibn Aḥmed al-Madjrīṭī und der latein. Uebersetzung des Athelhard von Bath auf Grund der Vorarbeiten von A. Bjørnbo und R. Besthorn in Kopenhagen / hrsg. und kommentiert von H. Suter in Zürich. Source: Wellcome Collection.
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![die man über die Abhängigkeit der altern arabischen Astronomie von der indischen aus diesem Werke gezogen hat und etwa noch ziehen möchte, sehr vorsichtig sein müssen, denn es ist sehr schwierig, ja in den meisten Fällen unmöglich zu ent- scheiden, was in dem vorliegenden Werke noch von Al-Khwärizmi herrührt, und was Maslama zuzuschreiben ist. Das Werk verliert aber dadurch keineswegs an Interesse, denn erstens wird der Hauptteil des ursprünglichen Werkes in der Bear- beitung wohl noch vorhanden sein, und zweitens werden allfällige Einflüsse, die dieses Werk auf die abendländische Astronomie des Mittelalters ausgeübt hat, jedenfalls dieser Bearbeitung des spanisch-arabischen Astronomen zu verdanken sein, denn das ursprüngliche Werk ist sehr wahrscheinlich dem christlichen Abendlande nie bekannt geworden. Bevor wir auf die Besprechung der Manuskripte eintreten, die dieser Ausgabe zu Grunde liegen, wird es wohl am Platze sein, einige kurze biographische Notizen über die arabischen Gelehrten beizufügen, die hier in erster Linie in Frage kommen; für weiteres Material verweise ich auf meine oben (p. VII) zitierte Arbeit. 1. Muhammed b. Müsä al-Khwärizmi (auch al-Khuwärizml ge- schrieben) Abü 'Abdallah^), gehörte zu den Astronomen, die in Al-Ma’müns (reg. als Khalife von 813—833) Diensten standen; er war nach Abstammung ein Perser, sein Geburts- und Todesjahr sind nicht bekannt. Er verfasste im Aufträge Al-Ma’müns einen Auszug aus einem indischen S/dcif/iä;7ifa (= astronomisches Werk, System), den Ibrahim (nach Andern Muh. b. Ibrahim) al-Fazäri aus dem Indischen ins Arabische übersetzt batte, und der bei den Arabern „der grosse Sind- hind‘‘‘ genannt wurde, der Auszug hiess dann im Gegensatz dazu „der kleine Sindhind''^ Ebenso verfasste er astronomische Tafeln {zidj), die sich auf diesen indischen Sidd- hänta stützten, und die in zwei Ausgaben erschienen sein sollen. ^) Er bestimmte darin die mittlern Örter der Planeten nach der persischen Aera Yezdegirds und nach dem Meridian von Arin (vergl. Kommentar). Diese Tafeln sind also nicht mehr vorhanden, dagegen ihre Umarbeitung dui’ch Maslama al-MadjiTtl in der latei- nischen Übersetzung des Atbelhard von Bath. — Ferner verfasste er ein Buch über die indische Rechnungsweise, arabisch ebenfalls nicht mehr vorhanden, in lateinischer Übersetzung (Übersetzer nicht festgestellt) herausgegeben von B.'Bon- compagni^); ein solches über die Algebra {fVl-djebr wad-miikäbala), ins Lateinische übersetzt von Gerhard von Cremona und Robert von Chester [Cestrensis), arabisch mit englischer Übersetzung herausgegeben von F. Rosen^); eine Geographie ') Als sein Beiname [Kunya] wird auch Abu Djäfar genannt, doch halte ich Abu ’Abdallah für den richtigen, der erstere ist wahrscheinlich aus einer Verwechslung unseres Astronomen mit dem etwas später lebenden Muh. b. Müsä b. Shäkir (gest. 873), der diesen Beinamen hatte, ent- standen. -) Die Quellen stimmen hier nicht ganz überein, nach andern wäre es auch möglich, dass diese Tafeln selbst der Auszug aus dem grossen Sindhind gewesen wären, diese Frage ist nicht mehr zu entscheiden. ®) Trattati d’aritmetica, I, Roma, 1857. ‘‘) Algebra of Mohammed ben Musa, edited and translated by Frederic Rosen, London, 1831.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24872489_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)