Idee einer neuen Hirnanatomie (1811) : Originaltext und Übersetzung / Charles Bell ; mit Einleitung herausgegeben von Erich Ebstein.
- Charles Bell
- Date:
- 1911
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Credit: Idee einer neuen Hirnanatomie (1811) : Originaltext und Übersetzung / Charles Bell ; mit Einleitung herausgegeben von Erich Ebstein. Source: Wellcome Collection.
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![sich sehr hüten, daß die Platten nicht irgendwo andere Teile berühren. Dies sind Versuche, welche keinen Zweifel mehr an die Wahrheit des Bell sehen Lehrsatzes übrig lassen.“ Seitdem, so bemerkt Du Bois-Reymond in seiner be- rühmten „Gedächtnisrede auf Joh. Müller“^), „wurde jetzt sein Name auch als der eines experimentierenden Physiologen ge- führt. Wenn es aber seitdem den französischen Vivisektoren gelungen ist, die großen Schwierigkeiten des Versuches an Säugetieren zu besiegen, so nimmt dies Müller nichts von seinem Verdienst, den Versuch zuerst in entscheidender Art angestellt zu haben, und noch dazu in einer Weise, wie er nicht allein in jeder Vorlesung ohne großen Zeitverlust, son- dern auch von jedem Mediziner auf der Stube mit Leichtigkeit uachgemacht werden kann.“ Max Neuburger, der uns in großen Zügen „die histo- rische Entwicklung der experimentellen Gehirn- und Rücken- marksphysiologie“ schildert, betont, daß die erste Mitteilung Beils „ihren Urheber durch ungeahnte Tragweite für die ganze weitere Entwicklung der Physiologie einem Harvey gleich- stellte“, und fährt fort: „diese wenigen Zeilen, welche einen der fruchtbringendsten Hauptgedanken der neueren Physiologie, seine kristallhelle Realisierung, seine streng logisch gezogenen Konsequenzen im bescheidenen Tone nüchterner Naturbeobach- tung wiedergegeben, heben sich fast vorwufsvoll ab von dem äußerlich prunkhaften, innerlich leeren Phrasengeklingel, das leider zu allen Zeiten die Zeitgenossen für die unaufdringliche Schlichtheit des wahrhaft Großen unempfänglich macht. Auf- gebaut auf der einfachsten, seit längster Zeit stillschweigend angenommenen Prämisse, geschützt durch eine klare Experi- mentalerfahrung, enthalten diese Zeilen [S. 30 f.] in lakonischer Kürze eine Wahrheit, welche das wissenschaftliche Streben eines unabsehbaren Zuges von wenigen Nervenphysiologen nicht zu beweisen vermochte, wiewohl sie eine dunkle Vorahnung des Sachverhalts erfüllte und sogar Ziel und Tendenz ihrer Arbeiten bestimmte. Durch die kühne wissenschaftliche Tat eines Mannes wurde Jahrhunderte alter IrHum beseitigt, wurden die geist- vollen Kombinationen der Vorgänger zur Wahrheit gemacht.“ 1) Berlin 1860, S. 55. 2) Stuttgart 1897, S. 302.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24864985_0014.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)