Idee einer neuen Hirnanatomie (1811) : Originaltext und Übersetzung / Charles Bell ; mit Einleitung herausgegeben von Erich Ebstein.
- Charles Bell
- Date:
- 1911
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Credit: Idee einer neuen Hirnanatomie (1811) : Originaltext und Übersetzung / Charles Bell ; mit Einleitung herausgegeben von Erich Ebstein. Source: Wellcome Collection.
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![Wie es mit Privatdrucken im allgemeinen geht, so auch mit der Abhandlung von Bell. Sie blieb der Wissenschaft gegenüber so gut wie unbekannt.^) So stellten im Jahre 1819 Bur dach und Baer resultat- lose Experimente in dieser Richtung an Fröschen an, und 1821 und 1822 kam J. Shaw, ein Schüler Beils, auf die Erfah- rungen seines Lehrers zurück. Erst als Magendie 1822 die gleiche Frage — ohne Kenntnis des Be 11 sehen Privatdrucks — in Angriff nahm und bedeutend förderte, teilte ihm Shaw mit, daß Bell bereits 1811 zu fast den gleichen Beobachtungen ge- langt sei. Darauf läßt sich Magendie durch Shaw Beils Abhandlung senden, und erwidert darauf folgendes: „On voit par cette citation d’un ouvrage que je ne pouvais connaitre, puis, qu’il n’a point ete publie, que M. Bell, conduit par ses ingenieuses idees sur le Systeme nerveux, a ete bien prös de decouvrir les fonctions des racines spinales; toutefois le fait, que les anterieures sont destinees au mouvement, tandisque les posterieures appartiennent plus particuliörement au senti- ment, parait lui avoir echappe: c’est done ä avoir etabli ce fait d’une maniere positive que je dois borner mes pretentions.“^] Seit dieser Zeit ist wohl nur wenigen Glücklichen Beils Abhandlung zugänglich gewesen.^) Erst Adolf Bickel bemühte sich einem Exemplar dieser seltenen Schrift auf die Spur zu kommen, um in historisch-kritischer Weise zu entscheiden, wem, ob Bell oder Magendie, das wesentliche Verdienst an unseren 1) Wenn Sherrington in E. A. Schäfers Textbook of Physio- logy 1900, Bd. II, S. 789 Anm. 1 sagt, daß Beils Abhandlung von 1811 wiederabgedruckt (republished) sei in: „An exposition of the natural system of the nerves. London 1824“, so stimmt das nicht, wie ich aus der mir nur zugänglichen französischen Übersetzung von J. Genest (Paris 1825) entnehme. — Auch bezieht sich der von Bickel (1. c. S. 301) vorgeworfene Prioritätsanspruch (Bell, Paris 1825, S. 19) offenbar nicht auf die Abhandlung des Jahres 1811; jedenfalls ist von ihr in dem ganzen Buche nicht die Rede. 2) Journal de Physiol, exper. et pathol. 1822, S. 371, wo der Brief- wechsel mit Shaw von Magendie mitgeteilt ist. 3) So Beils Schwager, Alexander Shaw, der 1860 (London) ,,an account of Sir Charles Bells discoveries in the nervous system (kl. 8®, 27 Seiten) herausgab, als Einführung zur 6. Ausgabe von Beils Abhandlung über die Hand. Das mir zugängliche Exemplar befindet sich aus H. v. Helm holtzens Besitz in der Univ. Bibi, in Leipzig mit der handschriftlichen Notiz ,,With Lady Beils Compliments. April 11 — 1861“. Nach H. Haeser, Bd. 2, S. 841 ist das Büchlein von Shaw bereits 1839 und 1847 in London erschienen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24864985_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)