Beiträge zur Kenntnis der Assyrisch-Babylonischen Medizin : Texte mit Umschrift, Übersetzung und Kommentar / von Friedrich Küchler.
- Date:
- 1904
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Credit: Beiträge zur Kenntnis der Assyrisch-Babylonischen Medizin : Texte mit Umschrift, Übersetzung und Kommentar / von Friedrich Küchler. Source: Wellcome Collection.
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![Z. 54. In ana pan {jlu) Gula karabi hat man nach Analogie von ina kakkabi (A’) karäbi eine Zeitangabe nach irgend einer Himmelserscheinung zu sehen. Nun ist es aber nicht ganz leicht, in {ilu) Gnla den Namen eines Sterns oder Sternbildes zu finden, dessen Vorkommen man hier nach Analogie von ina [kakkabu) Inzi karabi oder ina kakkabi karäbi erwartet. Denn dass UL.GU.LA = „Schütze“ mit {iln) Gula zusammen- gebracht werden darf, erscheint doch sehr zweifelhaft. Wir werden also nach einer andern Deutung suchen müssen. Diese bietet sich von der Angabe „(ilu) Ninib sa uddazall'G (IIR 57, 31c. d), d. h. „Ninib der Morgendämmerung“ aus. Ninib ist nun der Gemahl Gula's, und so wird man auch diese mit der Morgendämmerung identifizieren dürfen, zumal auch sie selbst {ilu) NIN.UD.ZAL.LI genannt wird (IIR 59, lob. c). (J.) Aus dieser Argumentation dürfte sich als wahrscheinlich ergeben, da.ss sich auch die sonstigen ina (oder ana oder ina pän) . . . karabi enthaltenden Zeitbestimmungen auf Tageszeiten beziehen; in diesem Falle müsste ich meine Ausführungen auf SS. 67f noch einmal zur Diskussion stellen. Volle Sicherheit über die eine oder andere Deutung vermag ich aus dem bisher vorliegenden Material nicht zu gewinnen. SAR.HI = napähi{-ln) nach Sm. 954, Vs. 1/2 und Rs. i '2 etc. Die Angabe läin viamma issikusu ist kulturgeschichtlich insofern interessant, als nach ihr eine morgendliche gegenseitige Begrüssung der Familienglieder durch Küssen bei den Assyro-Babyloniern vorgekommen zu sein scheint. Z. 55. klma si-ni-i-ü (wegen Z. 65, wo si-nH-ti steht, ist jedenfalls siniiti, nicht U}i'iti zu sprechen) ist unübersetzbar. Von einem Stamm s-iH findet sich Z. 65 die freilich grammatisch unmögliche Verbalform isanana'-su, wofür sicherlich isana'hi (Dittographie!) zu lesen ist. Doch macht das Vorkommen dieser Verbalform die Bedeutung des Stammes nicht klarer. Für IS wird kaum eine andere Lesung als iprit in Betracht kommen. Was es freilich bedeuten soll, wenn in der Beschreibung eines Brustleidens hier gesagt wird „er hat wie .... Staub bekommen“ oder in Z. 65 „wie . . . hat Staub ihn . . .“, das kann ich nicht sagen. Auch ik-ka-su ig\k\ktanirru ist recht dunkel, ikku wird man gewiss wegen des hebräischen mit „Gaumen“ zu übersetzen haben (J.), und es liegt dann nahe wegen des ina dabäbisu für ig\k\ktanirru an „trocken werden“ zu denken. Doch ist das einfach geraten. Ist an einen Zusammenhang mit karäru, karüru, karärii zu denken.? Wd garäru, „laufen, fliessen“ ist hier jedenfalls garnichts anzufangen. Z. 56. Die Lesung des dritten Zeichens der Zeile ist nicht sicher. Meine ursprüng- liche Abschrift bietet IB, JOHN.s’ zwiefache Kollation SI. Die Richtigkeit der letzteren Lesung vorausgesetzt, ist natürlich phonetisch, si-N-ti, zu lesen und darin der Name eines Körper- teils, wohl im Plural, zu sehen. Das folgende WZ. W ist dann jedenfalls als = „sie singen“ aufzufassen; vgl. zu diesem Sprachgebrauch das ganz ähnliche libbi istanasi (Nachträge zu K 191 etc., II, 38). Anders steht es, wenn meine ursprüngliche Abschrift richtig ist. Dann ist zu lesen u marta ip-ü-nar-ru [bezw. ip-ti-nir-rii, nach Sp. IV, 43, wo natürlich ?/-//-;^/(nicht kak)-ru zu lesen ist; letzteres Wort eine Form I 3 von parü], was mit dem verschiedentlich vorkommenden marta ipirru, bezw. ipru zusammenzustellen sein würde. Beide Aussagen scheinen in unsrem Zusammenhang recht wohl zu passen, und es ist mir infolgedessen nicht möglich mich ohne nochmalige genaueste Prüfung des Originals für die eine oder andere Lesung zu entscheiden. bi-sit [so, nicht bi-rit, ist zu lesen nach Neb. II, 34 und Neb. Grot. III, 21 etc. (J.)] libbi bedeutet eigentlich „Bestand“, dann „Inhalt des Innern“.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28038472_0138.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)