Über die Grundlagen und Methoden der Grosshirnphysiologie und ihre Beziehungen zur Psychologie / von E.Th. v. Brücke.
- Brücke, E. Th. von.
- Date:
- 1914
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Credit: Über die Grundlagen und Methoden der Grosshirnphysiologie und ihre Beziehungen zur Psychologie / von E.Th. v. Brücke. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![reguugsziiständen verschiedener sensibler Nerven ist bei allen Indi- viduen einer Art angeboren und dauernd, während ja die echten bedingten Eeflexe individuell erworben sind und meist nur eine kurze Zeit lang erhalten bleiben. Erinnern wir uns nur, daß noch bis vor kurzem in der Phj^sio- logie die PrLÜGEn’sche metaphysische Lehre von der Rückenmarks- seele diskutiert wurde, die dieser Forscher zur Erklärung des er- wähnten verschiedenen Ausfalls der Reflexe am dekapitierten Frosche aufgesteUt hatte, so erkennen wir, welch wesentlichen Fortschritt die PAWLOw’sche streng physiologische Auffassung der kortikalen Funk- tionen für die Physiologie des zentralen Nervensystems bedeutet. Um speziell die bedingten Eeflexe auf die Speicheldrüse studieren zu können, ist zunächst die Anlegung einer Speichelflstel nötig. Es wird der Ausführungsgang einer Unterkiefer- oder Ohrspeicheldrüse freipräpariert und seine Mündung in die äußere Wangenhaut ver- pflanzt. Der Speichelverlust, den das Tier durch die Ableitung dieser geringen Sekretmengen nach außen erleidet, ist ganz geringfügig, und ein derart vorbereiteter Fistelhund verhält sich nach der Heilung der Operationswunden in jeder Beziehung wie ein vollkommen ge- sundes Tier. Die Mündung des Speichelganges wird mit einem kleinen passend geformten Trichter umklebt, durch den der Speichel in ein an dem Trichter hängendes Gläschen abtropft. Nunmehr wird der bedingte Reflex, der an dem Tiere studiert werden soll, ausgebildet. Nehmen wir z. B. an, es handle sich um die Bildung eines solchen Reflexes auf optische Reize hin,^) so wird der Hund in einem passenden Gestell vor eine Wand gesetzt, auf der der Experimentator mit Hilfe eines Projektionsapparates verschiedene Figuren erscheinen lassen kann. 5—10 Sekunden nach dem Auf- tauchen jener Figur, die speziell den bedingten Reflex auslösen soll, erhält der Hund Futter, oder es wird ihm eine stark verdünnte Säure ins Maul gegossen. Hat der Experimentator diese Vorversuche etwa 20—30 mal regelmäßig wiederholt, so beginnt die charakteristische Erregung des Sehorgans auch allein die Speichelsekretion auszulösen, der bedingte Reflex auf diesen Reiz hin hat sich entwickelt. Die systematischen Versuche der PAwnow’schen Schule haben nun ergeben, daß derartige Reflexe von jedem beliebigen Sinnes- organe ausgelöst werden können. Die verschiedenartigsten Hautreize, Riechstoffe, Töne von verschiedener Höhe und Reihenfolge, Bilder von verechiedener Form und Lichtstärke, einfache oder rhythmische Be- leuchtungsschwankuiigen, kurz fast jeder erdenkbare Reiz erwies sich hierzu geeignet; mit anderen Worten, jeder sensorische Nerv ließ sich *) Vg]. L. A. Orbeli, Reflexes conditionels du cöte de l’oeil chez le chien. Arch. des sc. biol. T. XIV, 1909.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22470803_0011.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)