Volume 2
Mikroskopische Anatomie oder Gewebelehre des Menschen / von Dr. A. Kölliker.
- Kölliker, Albrecht, 1817-1905.
- Date:
- 1850-1854
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Credit: Mikroskopische Anatomie oder Gewebelehre des Menschen / von Dr. A. Kölliker. Source: Wellcome Collection.
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![schon sehr lebhaft empfinden, einmal angelegt, so zeigen sie dann auch folgende weitere Veränderungen. Indem die Fasern allmälig zum 2] bis 4 fachen ihres ursprünglichen Durchmessers sich verdicken, entwickeln sie nach und nach , und zwar von den Stämmen nach den Aeslen zu, dunkel- randige feine Primitivfasern in sich, die auf keinen Fall etwa immer neu hinzukommenden Markscheiden ihren Ursprung verdanken , sondern ganz bestimmt nur durch die Metamorphose eines Theiles des Inhaltes der blassen Fasern sich bilden. Auffallend sind jedoch hierbei folgende, bei höheren Thieren noch nicht gesehene Verhältnisse. 1) Wo eine blasse embryonale Faser gabelförmig sich spaltet, bildet sich hie und da, obschon nicht immer, auch eine Theilung der in ihr sich entwickelnden dunkelrandigen Röhre aus, wie ich dies schon früher in einem Fall und neulich mit Bestimmtheit sah. 2) Die dunkelrandigen Röhren erfüllen die blassen Fasern, in denen sie entstehen, fast nie ganz, sondern meist bleibt ein Zwischenraum, häufig von demselben Durchmesser, den sie selbst darbieten, zwischen ihnen und der Hülle der embryonalen Fasern übrig, in welchem dann hie und da die Kerne der ursprünglichen Bildungszellen zu sehen sind. 3) In den Stäm- men und Hauptästen der embryonalen Fasern entwickeln sich ganz unzwei- felhaft mehrere (2—4) dunkelrandige Röhren innerhalb einer und derselben embryonalen Faser, ein sehr merkwürdiges Verhalten, das beweisst, dass es auch dunkelrandige Röhren ohne structurlose Scheide gibt (vergl. St. 396), und welches an die Muskelbündel erinnert, bei denen ebenfalls inner- halb einer Röhre eine Mehrzahl von feineren Elementen entstehen. — Da die Schwänze der Froschlarven später abfallen, so kann man leider ihre interessanten Nerven nicht bis zu einer solchen Vollendung verfolgen, wie die anderer Orte. Doch sieht man bei den ältesten Larven, dass dieselben etwas dicker sind als anfänglich und an der Peripherie theils mit Schlingen, theils mit freien Enden ausgeben, so jedoch, dass die anfänglichen blassen Fasern immer noch da sind und von den dunkelrandigen ausgehend eine feinste letzte Nervenausbreitung mit Anastomosen und freien Enden bilden. Ich hätte nicht so lange bei den Nerven der Froschlarven verweilt, wenn nicht ähnliche Verhältnisse höchst wahrscheinlich noch bei vielen andern Nervenendigungen sich finden. Sicher ist dies für diejenigen der electri- scben Organe der Rochen, die selbst entwickelt in Vielem mit denen älterer Froschlarven übereinstimmen und, wie Ecker neulich gezeigt hat (Zeit- schrift für wiss. Zoologie 1849. St. 38), gerade ebenso sich entwickeln. Auch die Nerven in der Haut der Maus (siehe oben St. 29) gehören offen- bar hierher und so möchte die Zukunft lehren, dass überall, wo peripherisch Nerveutheilungen sich finden, die Entwicklung im Wesentlichen ebenso vor sich geht, wie ich es hier beschrieben. Ueber die Entwicklung der Nervenfasern in den Centralorga- nen besitzen wir nur wenige Untersuchungen. Von denen der Ganglien kann ich nur soviel sagen, dass sie sich später entwickeln als die der Nerven und wahrscheinlich aus kleineren, spindelförmigen Zellen, die man neben den Ganglienkugeln sieht. Einmal sah ich auch in einem Spinalganglion eines 4 monatlichen menschlichen Embryo eine solche Zelle mit dem Ausläufer einer Ganglienkugel in Verbindung. Ueber die Bildung der Fasern im Mark und Hirn hat Valentin zuerst etwas Näheres mitgelheilt (Müll. Arch.\](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21462537_0002_0554.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)