Thatsachen zur Pocken- und Impffrage : eine statistisch-ätiologisch-kritische Studie / von H. Böing.
- Böing, Heinrich.
- Date:
- 1882
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Credit: Thatsachen zur Pocken- und Impffrage : eine statistisch-ätiologisch-kritische Studie / von H. Böing. Source: Wellcome Collection.
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![einen Theil des Skatols etc. auf den natürlichen Wegen wieder ausge- schieden hat, tritt derselbe Effekt ein wie bei der Alkoholgährung durch Abdestilliren eines Theils des letzteren: die Pilze erwachen zu neuer Thätigkeit und prodwciren wiederum ihr eigenes Gegengift u. s. w. in ununterbrochenem Kreislauf, bis auf irgend eine Weise der Lebensfaden der Mikroorganismen definitiv abgeschnitten wird. Indess, wollte man auch dieses Conglomerat von Hy])othesen, welchen man wenigstens von logischer Seite nichts anhaben kann, acceptiren, so bliebe doch der für die Praxis allerwichtigste Theil der Frage: »wie lange schützt die Vac- cination vor der Bi- und 'J'rivaccination und demnach eventuell vor den Pocken?« linbeantwortet und diese Antwort könnte nur durch das Expe- riment gegeben werden. Der methodische ^'ersuch darüber wäre in der Weise zu führen, dass eine genügend grosse Anzahl Kinder mit dersel- ben Lymphe und nach derselben Methode geimpft und in bestimmten Zwischenräumen bi- und trivaccinirt würde. Das einzige Beispiel eines solchen Versuchs, welches mir bekannt ist, stammt von dem amerikani- schen Arzt Dr. Schuppert in New-Orleans und ist abgedruckt in Dr. A. Vogt's Hygiene und Pockenseuche, S. 54 ff. Seiner principiellen Wichtigkeit wegen theile ich es ausführlich mit. Schuppert vaccinirte im dortigen Knabenasyl im Januar 1865 30 Knaben im Alter von 8—14 Jahren. Von diesen hatten 5 vor 1—2 Jah- ren die natürlichen Pocken mit Zurücklassung charakteristischer Narben durchgemacht, einer vor Jahren, ohne Narben zu haben; 4 der Knaben trugen Impfnarben; die restirenden 21 waren weder gepockt noch geimpft oder Hessen wenigstens keinerlei Narbenbildung erkennen. — Die von Schuppert vorgenommene Impfung war bei 7 von Erfolg. Von diesen 7 zählten aber 4 zu den als bereits Gepockte angeführten, so dass 80^ der Gepockten bereits nach 1—3 Jahren wieder Empfänglichkeit für Vac- cine zeigten. Auf die übrigen 25 kamen nur 3 EmpfängHche, d. h. 12^ oder circa siebenmal weniger als bei jenen. Schuppert impfte nun von 8 zu 8 Tagen die Knaben, welche bei der vorhergehenden Impfung keine Pusteln bekommen hatten, direkt aus den bestentwickelten Pusteln ihrer Vorgänger und erhielt folgende Re- sultate : 1. Impfung bei 30 Knaben: 23 ohne und 7 mit Erfolg = 23X 2. - - 23 - 14 - - 9 - - = 39;^ 3 _ _14_ 9_-5--= 36X 4 _ - 9 - 6 - - 3 - - = 33^ 5. - - 6 - 2 - - 4 - - =07;^ Die bei der 1., 2. und 3. Impfung mit Erfolg Geimpften wurden nun j e 3 Wochen nachher (nach Abfall der Impfkru- sten) revaccinirt, um ihren Impfschutz zu prüfen. Das Resultat war sehr unerwartet; es hatte nämlich die Revaccination: I](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22287437_0078.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)