Volume 1
Lehrbuch der speciellen Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten : für Studirende und Aerzte / von Adolf Strümpell.
- Adolph Strümpell
- Date:
- 1904
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Credit: Lehrbuch der speciellen Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten : für Studirende und Aerzte / von Adolf Strümpell. Source: Wellcome Collection.
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![. Ul/M/I / ( jj j / \!i i1 c; in 11 . / .! [ L ,\I'‘T/) ' <] machte die Krankheit ihren ersten grossen Seuchezug über Europa, zog über das ganze europäische Russland hin, kam 1S31 nach Deutsch- land, 1832 nach England und Frankreich. Bis 1S3S folgten viele kleinere Epidemien, dann trat eine vollständige Pause bis 1846 ein, in welchem Jahre wiederum von Asien aus die Krankheit sich über Europa ausbreitete. In den folgenden Jahren traten an vielen Orten Epidemien auf, deren Ausdehnung im Einzelnen wir hier nicht näher besprechen können. Während des Krieges von 1866 kamen in Deutsch- land zahlreiche Choleraerkränkungen vor, 1883—1886 wurden nament- lich Italien, Frankreich und Spanien von der Seuche heimgesucht. Im August 1892 erfolgte endlich ganz unerwartet das „explosions- artige“ Auftreten der Cholera in Hamburg, woselbst innerhalb eines Vierteljahres gegen 18000 Per- sonen von der Krankheit befallen wurden und über 7600 Personen daran starben. Actiologie. Dass die eigent- liche Krankheitsursache der Cho- lera in der Infection des Körpers mit einem specifischen Mikroorga- nismus bestehe, konnte schon seit längerer Zeit Niemandem mehr zweifelhaft erscheinen. Die sichere Entdeckung des gesuchten Cho- leragiftes gelang aber erst Koch. dem Führer der 1SS3 vom deutschen Reiche zur Erforschung der Cholera nach Aegypten und Indien entsandten wissenschaftlichen Expedition. Koch fand im Darme aller unter- suchten Choleraleichen eine bestimmte Art von Mikroorganismen, welche er Kommabacillen nannte. Dieselben (s. Fig. 12) sind kürzer, als die Tuberkelbacillen, aber etwas dicker und meist kommaähnlich oder sogar halbkreisförmig gekrümmt ln den Reinculturen wachsen Fig. 12. (Nach Koch.) Kommabacillen aus einer Choleradejection, die 2 Taj?e lang auf feuchter Leinwand gelegen hat. S-förmige Bacillen bei «. Vergrösserung 600. schraubenförmig gewundenen die Kommabacillen häufig zu langen, Fäden (ähnlich den Recurrensspirillen) aus. In einer Flüssigkeit unter- sucht, zeigen sie sehr lebhafte Eigenbewegungen. Mit dieser Beweg- lichkeit hängt wahrscheinlich das von Löffler an den Kommabacillen entdeckte Vorhandensein dünner endständiger Geissclfäden zusammen. Die Kommabacillen gedeihen am besten bei Temperaturen zwischen 30° und 40 C.; bei einer Temperatur unter 16° C. hört ihr Wachs-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28119903_0001_0150.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


