Experimentelle Beitrage zu einer Theorie des Denkens / von Henry J. Watt.
- Henry J. Watt
- Date:
- 1904
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Credit: Experimentelle Beitrage zu einer Theorie des Denkens / von Henry J. Watt. Source: Wellcome Collection.
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![fUr eine begründete Meinung nicht aus. Eine analysierende Selbst- beobachtung in dieser Richtung ist äußerst schwierig. Das wenige aber, was wir haben, und die Schwierigkeit in der Behandlung der Bewußtseinslagen und des Bedeutungsbewußtseins und dergleichen in der Psychologie im allgemeinen lassen vermuten, daß viele Beschreibungen dessen, was vor sich geht, wenn man einen Be- griff denkt, dem Vorgefundenen nicht entnommen wurden, sondern den Forderungen einer Theorie entsprechen sollen, oder Kon- struktionen des wahrscheinlichen Verlaufs der Verarbeitung der Erfahrung sind. Auch die Abhängigkeit der Begriffe und Urteile von den Worten ist angesichts unserer tatsäehlichen Kenntnis viel zu entschieden ausgedrUckt worden i). Es sind wahrscheinlich sehr wenige Personen, die einen Be- griff irgendwie psychologisch vollziehen. Wenn man einen Be- griff denkt und darauf die Definition und alle Merkmale reprodu- ziert, so fragen wir: inwiefern ist es richtig, dieses Bewußtsein des Begriffs mit den zur Definition gebrauchten Worten und dem während der Reproduktion Erlebten zu identifizieren, oder alle diese letzteren in das Bewußtsein des Begriffes realiter zu verlegen? Wie wir schon erwähnt haben, ist es nicht anzunehmen, daß die später reproduzierten über- oder untergeordneten Begriffe schon immer im Verständnis des Reizwortes angedeutet liegen, obgleich das doch vorkommt. Ebensowenig ist es selbstverständlich, daß >für das Denken des Begriffs des Kreises, welches in Urteilen geschieht, das Denken des Begriffs des Kreises gänzlich vollzogen ist« 2). Es kann psyehologisch wohl in der Absicht^] schon vollzogen sein, als eine Reproduktion, die später verstanden wird, und die in dem ihr anhaftenden Sinne der logischen Vollkommenheit entspricht. Aber wir haben noch keinen Grund, die Existenz eines einheit- lichen psychologischen Analogons des logisehen Begriffs anzunehmen, und wir wissen psychologisch so gut wie nichts von der Beschaffen- heit des Bedeutungsbewußtseins, das ein Begriffswort begleitet. 1) Erdmann, Logik. S. 223 ff. Bin et will Beispiele für wortloses Denken bringen, a. a. 0., S. 106. Die Aufgabe (force directrice) wäre nach ihm ein sicheres Beispiel. 2) Störring, Zur Lehre von den Allgemeinbegriffen. Phil. Stud. Bd. XX. S. 335. 3) Volkelt, Erfahrung und Denken. S. 365. Vgl. Bi net, L’6tude ex- p6rimentale de l’intelligence. Bi net führt dafür das Wort >intentionisme< ein. a. a. 0., S. 154.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24918878_0155.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)