Volume 1
Gesammelte Werke von Robert Koch. Unter Mitwirkung von G. Gaffky und E. Pfuhl / herausgegeben von J. Schwalbe.
- Robert Koch
- Date:
- 1912
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Credit: Gesammelte Werke von Robert Koch. Unter Mitwirkung von G. Gaffky und E. Pfuhl / herausgegeben von J. Schwalbe. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Von seinen akademischen Lehrern haben der Physiologe M e i s s n e r sowie der Anatom und Pathologe H e n 1 e am nachhaltigsten auf den jungen Studenten gewirkt. Wie eifrig und erfolgreich er in Göttingen seinen Studien obgelegen hat, erhellt daraus, daß ihm bereits in seinem siebenten Semester die Stelle eines Assistenten am Patholo- gischen Museum übertragen, und kurz darauf ein akademischer Preis zuerkannt wurde. Im Januar 1866 bestand Koch zu Göttingen das Doktorexamen und nach kurzen Nachstudien in Berlin im März desselben Jahres zu Hannover mit größter Auszeichnung das ärztliche Staatsexamen. Nachdem er einige Monate als Assistent am Allgemeinen Kranlienhause in Ham- burg fungiert hatte, bekleidete er vom Oktober 1866 bis Juli 1868 die mit bescheidener Landpraxis verbundene Stelle eines Arztes an der Idiotenanstalt zu Langenhagen bei Hannover und war dann als praktischer Arzt zuerst in dem brandenburgischen Städt- chen Niemegk und von 1869 an in Rakwitz in der Provinz Posen tätig. Von Rakwitz aus nahm er an dem Kriege gegen Franl^reich freiwillig als Arzt teil. Heimgekehrt unter- zog er sich, einer Anregung des Landrats Freiherrn von LTnruhe-Bomst folgend, der Physikatsprüfung und erhielt bereits 1872 die Stelle des Kreisphysikus in dem nahe bei Rakwitz gelegenen Wollstein. Trotz aller Mühen und Plagen des vielbeschäftigten Arztes hatte Koch in diesen Jahren stets noch Zeit zu mikroskopischen Studien gefunden. Aber erst in Wollstein war es ihm dank den besseren Einnahmen möglich, kostspieligere Apparate und In- strumente zu beschaffen und etwas freier wenigstens über die Einteilung seiner Zeit zu verfügen. Ein neues Mikroskop und Mikrotom wurden erworben. Von dem geräumigen ärztlichen Sprech- und Arbeitszimmer wurde die eine Hälfte durch einen Vorhang als Laboratorium abgegrenzt, in dem auch die zur Mikrophotographie erforderlichen Appa- rate und eine kleine Dunlielkammer ihren Platz fanden. Das war der Raum, in dem der jugendliche Kreisphysikus und vielbeschäftigte praktische Arzt Entdeckungen gemacht hat, die ihn alsbald den Meistern der Wissenschaft zugesellten. Das Ziel und die Auf- gabe seines Lebens standen von nun an unverrückbar ihm vor Augen. Es galt, Licht hineinzutragen in das Dunl-cel der Infektionskrankheiten, die alte, vielumstrittene Lehre vom Contagium animatum auf sicheren Boden zu stellen und die Wege zu weisen zur Verhütung und Bekämpfung der Seuchen. Es bot sich Koch damals Gelegenheit, LTntersuchiuagen über den Milzbrand an- zustellen. Schon seit dem Jahre 1849 war bekannt, daß im Blute milzbrandkranker Tiere fremdartige, stäbchenförmige Gebilde sich finden; die Bedeutung dieser Stäbchen aber war trotz aller Forschungen noch so weit ungeklärt geblieben, daß die Auffassung ver- treten werden konnte, es handle sich nicht um kleinste Lebewesen, sondern um kristal- linische Gebilde. Mit scharfem Blick erkannte Koch, wie allein die Frage zu lösen sei. Waren die Stäbchen nicht Erzeugnisse, sondern vielmehr die Erreger der Krank- heit, so mußte es gelingen, ihr Wachstum und ihre Entwicklung zu verfolgen. Durch Verimpfung stäbchenhaltigen Blutes konnte Koch eine tödlich verlaufende Milzbrand- kranl<:heit bei Mäusen erzeugen, diese Krankheit durch Fortimpfung von Maus zu Maus beliebig lange erhalten und stets in der ]\Iilz der verendeten Mäuse die Stäbchen in größter Zahl nachweisen. Als er dann eine geringe Menge bazillenhaltiger Milzsubstanz in einen Tropfen Rinderblutserum oder Humor aqueus von Rindsaugen übertrug und diesen Tropfen auf dem heizbaren Übjekttisch mikroskopisch beobachtete, da sah er, daß die Stäbchen nach einigen Stunden sich zu verlängern begannen und allmählich den Tropfen in Gestalt eines aus zierlichen Bündeln zusammengesetzten Flechtwerkes erfüllten. Dann nahmen die Fäden ein körniges Aussehen an, es bildeten sich in regelmäßigen Ab- ständen in ihnen stark lichtbrechende Körperchen, die nach Zerfall der Fäden frei mirden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21353207_0001_0_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)