Lehrbuch der Geburtshülfe / von Dr. R. Olshausen und Dr. J. Veit.
- Olshausen, Robert Michaelis von, 1835-1915.
- Date:
- 1899
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Credit: Lehrbuch der Geburtshülfe / von Dr. R. Olshausen und Dr. J. Veit. Source: Wellcome Collection.
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![keineswegs Schwangerschaft oder vorausgegangene Geburt. Denn Belbst davon abgesehen, dass bedeutende Ausdehnungen des Unterleibes aus pathologischen Ursachen denselben Effect hervorbringen, wie der hoch- schwangere Uterus, so kommen diese Streifen auch b< i geringer, aber plötzlicher Zunahme der Fettablagerung unter der Baut vor. So fand Schnitze sie auf den Oberschenkeln von Frauen, die nicht geboren hatten, in 36%, bei Männern in 6%. Er ist geneigt, diesen Unterschied durch die grössere Zunahme in den Hüften zur Zeit der Pubertät beim weib- lichen Geschlecht zu erklären1). Der Druck des Uterus bewirkt ferner nicht selten Stauungs- erscheimuigen, insbesondere varicöse Ausdehnungen der Venen der unteren Körperhälfte und Oedem der 15eine. Die Brüste turgeseiren bereits vom zweiten Monat an, noch stärker werden sie im vierten und fünften Monat. Die um die Warze herum liegenden Talgdrüsen sehwellen an, der Warzenhof bräunt sieh, und aus der Drüse lässt sieh ein helles, wässeriges Secret drücken, das mitunter auch spontan aussickert. Während früher zum Theil (nur Soranus [circa 100 p. Chr. n.], der bereits Uterus und Scheide genau unterscheidet, kannte den Uterus recht gut; er vergleicht seine Gestalt mit der eines Schröpfkopfes) die fabel- haftesten Vorstellungen über den Uterus geherrscht hatten (nach Plato hielt man ihn für ein lebendes Thier, Ali ben Abbas nennt ihn geradezu ein „animal sperma desiderans), wies bereits der erste Restaurator der Anatomie, Berengarius von Carpi (1502), verschiedene bis dahin allgemein herrschende Irrthümer über den schwangeren Uterus zurück. Er zeigte, dass der Uterus nur eine Höhle habe, und widerlegte die Ansicht, dass die Knaben rechts, die Mädchen links getragen würden. Doch musste noch Vesal (1543), der die Veränderungen des Uterus in der Schwanger- schaft, die Entwicklung seiner Gefässe und die Ausdehnung des Fundus genau beschreibt, diese Meinung aufs neue eindringlich bekämpfen. Er wies nach, dass Galen nie einen menschlichen Uterus untersucht und dass er seine Beschreibung von thierischen Gebärmüttern hergenommen habe. Noortwyk (1743) gab ein eigenes Werk nebst einer vollständigen Ge- Bchichte über die schwangere Gebärmutter heraus. Nachdem auch Smellie und Roederer sehr gute Abbildungen des schwangeren Uterus edirt hatten, erschien 174-1 das noch heute unübertroffene Prachtwerk von William Hunter. Anatomische Veränderungen im Gesammtorganismns. Nicht nur an den Genitalien, sondern auch in den übrigen Or- ganen des Körpers gehen anatomische Veränderungen im Laute der *) S. Credi, M. f. G. Bd. XIV. S.321; Hecker, Becker u. Buhl, Kl. d. Geb. s. 13, und Schnitze, Jenaische Z. f. Med. u. Nat. Bd. IV. Hetl 3 u. 1. L868. S. 557.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21009351_0121.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


