Lehrbuch der Geburtshülfe / von Dr. R. Olshausen und Dr. J. Veit.
- Olshausen, Robert Michaelis von, 1835-1915.
- Date:
- 1899
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Credit: Lehrbuch der Geburtshülfe / von Dr. R. Olshausen und Dr. J. Veit. Source: Wellcome Collection.
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![kindliche Form, besonders in der Stellung des Kreuzbeins und <\(>v un- vollkommenen Querspannung des Beckens, zurück. Wirkl F nicht in der gehörigen Weise (»der nicht früh genug, so entsteht zu starke Quer- spannung, ein etwas stärkerer Grad der Abplattung. Wirken R und F gleichmässig zu stark, so wird das Becken von allen Seiten comprimirt, es entstehen bei normalen Knochen wohl gewisse Formen des allgemein gleichmässig verengten Beckens, während bei erweichten Knochen die, charakteristische Gestalt des osteomalacischen Beckens (s. Fig. 10), ge- wissermaassen die Karrikatur des normalen Beckens, da die becken- gestaltenden Momente in outrirtester Weise an ihm sichtbar sind, zu Stande kommt. Das osteomalacische Becken zeigt zugleich auch besonders deutlich. von welchem Kinlluss die Rumpflast für die Grösse der Beckenneigung ist. Da die1 Rumpflast nach hinten von der durch die Acetabula gehen- den Unterstützungsebene wirkt, so wird bei Schwäche der Lig. ilio- femoralia, noch mehr natürlich bei erweich- ten Knochen, die Beckenneigung abnorm gering, während sie beim Sitzbecken, bei dem die Wirkung der Femora wegfällt, sowie bei den Becken mit doppelseitiger Oberschenkelluxation, bei denen die Unter- stützungsebene nach hinten verlagert ist, sehr hochgradig wird. Auch bei dem oben erwähnten von Büttner beschriebenen Mäd- chen, welches constant gelegen hatte, stand das Becken fast senkrecht. Manche Formen des schräg verengten jfte- ]°- Schematischer Durchschnitt -r, , , ., , . , n • • , r- t urch das osteomalacische Becken. Beckens bilden typische Beispiele für die Art der Einwirkung der beckengestaltenden Factoren. indem je nach dem Gebrauch einer Extremität die Verschiebung des Beckens in verschiedener Weise erfolgt. Neuerdings hat H. v. Meyer1) die Gesetze der Becken- gestaltung bei normaler Widerstandsfähigkeit unter abnormer Belastung zur weiteren Begründung dieser Lehre studirt. Durch die verschieden hochgradige Einwirkung der einzelnen becken- gestaltenden Factoren erklären sich auch wohl am besten die individuellen und Raceneigenthümlichkeiten des Beckens. So ist vielleicht die grössere Querspannung des kaukasischen Beckens dadurch bedingt, dass bei uns die unteren Extremitäten erst später und schwächer gebraucht werden. als bei den weniger civilisirten Nationen. Auf die mechanischen Verhältnisse, die die Veränderungen der Beckenformen zur Folge haben, hat zuerst de Frdmery in seiner oben citirten Dissertation aufmerksam gemacht. Freilich wendet er dieselben nur auf Becken mit pathologisch erweichten Knochen an, aber er hat zuerst den Weg gezeigt, auf dem man die Entstehung auch des normalen geschlechtsreifen Beckens zu verfolgen hat. Erst in der neueren Zeit sind die mechanischen Verhältnisse des Beckens von Duncan richtig ge- !) Missbildungen des Beckens. Jena ls^ BehrOder, Geburtshülfe. 13. Auflage.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21009351_0035.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


