Lehrbuch der Geburtshülfe / von Dr. R. Olshausen und Dr. J. Veit.
- Olshausen, Robert Michaelis von, 1835-1915.
- Date:
- 1899
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Credit: Lehrbuch der Geburtshülfe / von Dr. R. Olshausen und Dr. J. Veit. Source: Wellcome Collection.
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![Die angegebenen Gewichts- und Längenmaasse des reifen Bandes sind die ungefähren Mittelzahlen aus ea. 100 von Hecker gemessenen Kindern. Nach den von Schroeder in Bonn an 364 Kindern angestellten Untersuchungen ist die Länge nicht unerheblich kleiner: nur 19 cm, und auch das Gewicht etwas geringer: 3179 gr. Ohne Zweifel sind an der- artigen Differenzen die Eigentümlichkeiten des Volksstammes schuld, und sind also beispielsweise die Kinder der Rheinländer leichter und kleiner, als die der Altbaiern. Uebrigens ezistiren über die Gewichtsverhälti der Kinder nicht blos unter den Laien sehr übertriebene Vorstellungen. Unter den von Schroeder gemessenen Kindern wog das schwerste 4950 gr. und Hecker fand unter 1096 Kindern nur zwei, deren Gewicht zwischen 5000 und 5500 gr betrug. Leber die individuellen Ursachen der verschie- denen Grösse der Kinder weiss man nicht allzuviel; wir kommen bei der Besprechung der abnormen Grösse der Kinder hierauf noch zurück; hier sei nur betont, dass die Grösse der Eltern von Einfluss ist und dass ferner je mehr Schwangerschaften, bis etwa zur 7. vorausgingen, desto grössere Kinder geboren werden. Die Insertion des Nabels wird nach Hecker2) nur bis zum sechsten oder siebenten Monat eine höhere, von da an bleibt sie gleich. Der Nabel liegt so, dass sich seine Entfernung von der Symphyse zu der vom Pr. xiph. ungefähr wie 1:1,6 verhält. In dem Auftreten und der Grösse des Knochenkerns der unteren Epiphyse des Oberschenkels glaubte man, seitdem Beclard3) darauf auf- merksam gemacht hatte, ein sicheres Criterium des Alters neugeborener Kinder gefunden zu haben4). Hecker5) hat indessen gezeigt, dass auch dieses Zeichen, wenn es auch Berücksichtigung verdient, für sich allein ebensowenig maassgebend ist. wie die übrigen. Denn wenn auch häufig bei reifen Neugeborenen der Knochenkern ungefähr 1/2cm im Durchmesser hat, so kommt es doch ausnahmsweise vor, dass er ebensogross bei nicht ganz reifen Kindern ist, und andererseits fehlt er bei entschieden reifen Kindern nicht selten oder ist nur angedeutet. Die Resultate sind bestätigt von Hartmannh), nach dem von 40 achtmonatlichen Kindern 2, von 62 neunmonatlichen 16 und von 46 zehnmonatlichen 27 den Knochenkern be- sassen, während er bei 102 reifen Neugeborenen 12 mal vermisst wurde. Auch die Beschaffenheit der Kopfknochen, sowie die Weite der Nähte und Fontanellen darf durchaus nicht als maassgebend für die Reife des Kindes betrachtet werden. Denn wenn auch im allgemeinen bei unreifen Früchten die Koptknochen weicher und die Nähte weiter sind als bei rei- fen, so macht doch Kueuecke6) mit Recht darauf aufmerksam, dass diese Eigenschaften individuell sehr verschieden sind. Fehlhuj~)\v.\\ neuerdings !) M. f. G. Bd. 31. S. 194. — ») Nouv. J. d. Med.. Ch. et Pharm. Paris 1819. T. IV. ]). 107. — ») S. OUtvier, Annales dhv-iene publ. T. 27. p. 342; Mildner, Prager Vier teljahrsschr. 1860. Bd. 28. S'. 39; Casper, PraktHandb. der ger. Medicin. Berlin 1857. Th. I. S. 692, und Böhm, Casper's Viertel- jahrsschrifl 1858. Bd. 14. S. 28. — 4) Klinik der Geburtskunde. Leipzig 1861. s. 49. — 5) ßeitr. z. Osteol. d. Neugeb. D. i. Tübingen 1869. S. 18. — 6i Die vier Factoren der Geburt. Berlin 1869. S. 259. — Arch. t Gyn.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21009351_0085.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


