Studien über die Hirnrinde des Menschen / von Dr. S. Ramón y Cajal ; aus dem Spanischen übersetzt von Dr. J. Bresler.
- Santiago Ramón y Cajal
- Date:
- 1900-1906
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Credit: Studien über die Hirnrinde des Menschen / von Dr. S. Ramón y Cajal ; aus dem Spanischen übersetzt von Dr. J. Bresler. Source: Wellcome Collection.
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![Corticale Polarisation. 6] Wir wollen nicht unterlassen, eine hypothetische Erklarung dieser corticalen Polarisationen aufzustellen, nicht um damit eine blosse Con- jectur zu geben, sondern um die Moglichkeit zu zeigen, dass sicb das Problem auf anatomiscbe Begriífe zuriickfübren lásst. Man konnte sicb die Structur der Sehspbáren folgendermaassen angeordnet denken. Jede isodynamische Gruppe yon optiscben Pyramidenzellen (entsprechend den identiscben Punkten der beiden Netzhaute) oder von acustischen Pyramidenzellen (entsprecbend einem und demselben einfacben Tone) konnte zweierlei Elemente besitzen: namlich Zellen, deren Axencylinder mit dem Corpus callosum nacb der entgegengesetzten Hemisphare ziebt, und solche, deren Axencylinder sicb in der sensoriscben Sphare der- selben Seite verzweigt. Ferner dürfte diese Zellgruppe yon der Peri- pherie ber ein Bündel sensorischer Fasern empfangen, jedoch in der Anordnung, dass jede Zelle, obne auf die Verbindungen mit sammtlichen centripetalen, für diese Gruppe bestimmten Leitungen zu verzicbten, fiir sicb besonders mit einer speciellen Leitung in Contact trate. Nun konnte, bei der Projection des geistigen Bildes ins Gehim, jede in den erwahnten isodynamiscben Gruppen befindlicbe Zelle bei einem peri- pberiscben Reiz zweierlei Erregungszustande erfabren, einen maxi- malen und einem minimal en. Wenn die maximaleErregung mit den Gruppen- zellen mit gleiebseitiger Verbinduug zusammentrifft, so \vird das ganze Bild in der Hemisphare der gleieben Seite registrirt; wenn jedoch diese maximale Erregung die Zellen der isodynamiscben Gruppen trifft, deren Axencylinder die Mittellinie kreuzt, so wird die Yorstellung sicb der ent- gegengesetzten Hemisphare einpragen. Auf diese Weise würde sicb die Blasse der Yorstellung erklaren, im Vergleicb zu der Lebbaftigkeit und Energie der Empfmdung; verstandlich würde dann auch der fragmentare und synthetiscbe Charakter der Erinnerung, die ein lückenhafter und vereinfacbter Wiederschein des direkten sensoriscben Bildes ist. Schliess- und die in ihrem Gefolge befindlichen Beschaftigungs- und Erwerbsarten. Dass wir nun gerade rechtshándig sind, kommt in zweiter Reihe in Betracht und mag vielleicht einen anatomischen Hintergrund baben, aber ich glaube, dass wenn dieselben unbe- kannten Ursachen, die uns speciell zu Recbtshandern machten, ausirgond einem. Anlass statt dessen die Linkshandigkeit bewirlct hiitten, das Verhalten der zum Geliirn führenden Gefásse daran nichts geandert haben würde.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28084585_0705.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)