Das Weib in der Natur- und Völkerkunde : anthropologische Studien / von H. Ploss.
- Ploss Hermann Heinrich, 1819-1885.
- Date:
- 1885
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Credit: Das Weib in der Natur- und Völkerkunde : anthropologische Studien / von H. Ploss. Source: Wellcome Collection.
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![gelegt, worauf eine halbe Umdrehung der Sonde vorgenommen wird, verbunden mit einem Stosse nach oben und innen. Nachdem die Euptur der Embryonalhüllen erfolgt, zieht man das Instrument wieder zurück; zuvor aber wird ein Zug auf den oberen Faden des Messer- futterals ausgeführt, um den scharfen Theil der Sonde zu bedecken und hierdurch einer Verletzung des Geschlechtskanals vorzubeugen. Bessels erfuhr, dass diese Operation von den Schwangeren stets selbst ausgeführt wird. Die Bewohner der nördlichen Hudsonsbai nöthigen ihre Weiber, sich durch den Gebrauch eines gewissen, dort allgemein wachsenden Krautes ihre Frucht abzutreiben, um sich von der be- schwerlichen Last ihrer hülflosen Familie zu befreien.*) Dasselbe thun auch die Irokesinnen inCanada, sowohl die verheiratheten, als auch die unverheiratheten.**) Die Negerinnen in Old-Calabar nehmen im dritten Schwan- gerschaftsmonat Medicin, um, wie sie sagen, zu prüfen, welchen Werth die Empfängniss habe; sie unterscheiden nämlich drei Arten einer misslungenen Conception: 1) die Conception von Zwillingen, 2) die Conception eines zu früh abgehenden Embryo und 3) die Conception eines Kindes, welches bald nach der Entbindung stirbt. Sie nehmen nun die Medicin zu dem Zwecke ein, um eine solche Conception zu vernichten, bevor sie, wie sie meinen, völlig Platz gegriffen hat. I Diese Arzneien werden durch den Mund, durch den After und durch ] die Scheide eingeführt. Zuerst auf dem Wege durch den Mund und durch den After; wenn dann eine blutige Ausscheidung aus der Vagina erfolgt, so wird die Wirkung dieser Arzneien unterstützt durch eine unmittelbare Application an den Gebärmuttermund. Zu letzterem Zweck nehmen sie eine von drei Pflanzen, eine Euphorbia, eine Le- guminose oder ein Amomum. Das Stengelende des Blattstiels der Euphorbia, welches seinen Saft ausschwitzt, wird in die Vagina ge- schoben; zu demselben Zwecke wird die Schote einer Hülsenfrucht eingelegt oder eine kleine Menge Guineapfeffer, mit Speichel zu einer Masse zusammengerieben; dieser Guineapfeffer aber ist eine Amomum- Art. Nach Verlauf weniger Tage tritt Abortus ein. Allein es ist nicht der wahre und einfache Abortus, welchen die Negerinnen wün- schen, es ist nach ihrer Meinung nur ein unter jenen Bedingungen auftretender. Er findet nur zur Verhinderung einer jener drei Con- eeptionsarten statt, welche nach Ansicht der Negerweiber unnatürliche sind und keinen Halt im Uterus haben. Allein nicht selten kommt es vor, dass die Wirkung eine zu starke war; später entwickeln sich con- stitutionelle Störungen und organische Leiden, und es folgt der Tod.***) *) Ellis, Voyage to Hudson-Bay. S. 198. **) P. Frank, System einer vollst, med. Polizei. Mannheim 1804. II, 57. ***) Arch. Hewan, Edinb. med. Journ. 1864. Sept. p. 233. 1865. März, p. 857.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21705951_0484.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


