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Credit: Beiträge zur Geburtshülfe, Gynäkologie und Pädiatrik. Source: Wellcome Collection.
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![Haudg'i’iffs nur auf einen verhältnissmäßig geringen Tlieil der Ge- burtshelfer beschränkt und diese hatten ihm und seinen etwaigen Vorzügen durch selbständige Veröffentlichung keine allgemeinere Anerkennung gewonnen. Der physiologische Vorgang bei Ausstoßung der Nachgeburts- theile ist ohne Zweifel ein ganz einfacher. Es sind die Kontraktionen der Uterus-Muskeln und der Scheide in Verbindung mit der Bauch- presse jedenfalls bei sonst völlig normalem Verlaufe der Geburt zur Entfernung der Placenta und Eihäute ebenso genügend, wie die Darmmuskeln und die Bauchpresse für die Defäkation ausreichen. Wir sind genöthigt anzunehmen, dass es eigentlich einer Kunsthilfe nicht bedarf. Denn wie ich sogleich zeigen werde, überlassen die Frauen vieler Naturvölker ganz regelmäßig die Beseitigung des Fruchtkuchens lediglich den natürlichen Kräften. Wenn trotzdem die moderne Geburtshilfe es vorzieht, diesen Prozess der natür- lichen Expulsion nicht abzuwarten, ihn vielmehr, sei es durch Zug, sei es durch Druck abzukürzen, so liegen Gründe vor, welche in jedem Lehrbuche der Geburtshilfe auseinandergesetzt sind und sich namentlich als Vorsichtsmaßregeln gegen etwa drohende Reten- tionen, Blutungen und faulige Zersetzungen darstellen. Namentlich betont man seit Einführung des Cr edö’schen Verfahrens, wie nütz- lich es ist, sehr bald nach der Geburt und Abnabelung des Kindes durch Manipulationen, insbesondere durch Druck die Austreibung der Nachgeburtstheile zu bewirken und nicht erst nach Ablauf einer bestimmten Zeit durch Ziehen am Nabelstrang einzugreifen. So sehr man nun auch die Gründe, welche man für dieses Ver- fahren der modernen Geburtshilfe anführt, als gerechtfertigt aner- kennen muss, so darf man doch wohl auch die Fragen aufwerfen : Wie wird die Nachgeburt bei wilden Völkerschaften beseitigt? Wird hier die Ausstoßung der Placenta instinktmäßig ganz der Natur überlassen? Oder betrachtet man auch bei den Urvölkern ihre als- baldige Entfernung durch Kunsthilfe als unbedingt nöthig? Wird die Nachgeburt zu diesem Zwecke herausgezogen oder herausge- drückt ? Aus den mannigfachen Berichten, die mir vorliegen, geht nun hervor, daßs sehr viele Naturvölker, die überhau])t von einer »Heb- ammenkunst« nichts wissen, einer Kunsthilfe, wie überhaupt beim ganzen Geburtsvorgang, so namentlich auch in der dritten Geburts- periode nicht bedürfen, sie vertrauen vollständig den natürlichen Austreibungskräften und werden in diesem Vertrauen nur selten ge-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22291994_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


