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Credit: Beiträge zur Geburtshülfe, Gynäkologie und Pädiatrik. Source: Wellcome Collection.
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![der Geburt meist Nichts zu thun haben, so scheint es, als ob bei diesen Negerinnen eine Hilfe zur Beseitigung der Nachgeburt nur selten nöthig wird. — In Brasilien sah eine mir bekannte Dame, die mit ihrem Gatten, einem Wegbau-Ingenieur, oft mit Indianern verkehrte, dass eine Schwangere, die mit ihrer Horde auf der Wan- derung war, die Ihrigen nur auf kurze Zeit verliess, um in einiger Entfernung ihr Kind ohne Assistenz zu Tage zu fördern, worauf sie mit diesem belastet Avieder zu der ihrer Rückkehr harrenden Horde stiess und weiter zog; hier hatte sie sich otfenbar ohne Hilfe auch der Nachgeburt entledigt. Über die Stellung, welche die Ge- bärende dabei annahm, gab auf meine Frage die Beobachterin an: «sie hockte nur nieder«.— Auch in Australien setzt sich, wie von Collins mitgetheilt wurde i), die Frau nach Ankunft des Kindes in ein kleines, zu diesem Zweck bereitetes Loch und wartet hier, bis die Nachgeburt abgeht; nach der Beschreibung, die ich selbst erhielt, nimmt sie dabei eine Stellung ein, wie bei uns die Leute zur Defä- kation auf freiem Felde. Wenn wir demnach die Ausstoßung der Placenta hinsichtlich der natürlichen Hilfskräfte mit der Defäkation verglichen, so mag dieser Vergleich auch in so fern gerechtfertigt sein, als die Bauchpresse, bei der zusammengekrümmten Haltung des Körpers und der mit derselben verbundenen räumlichen Ein- schränkung des Unterleibs und seiner Organe, am wirksamsten auf den die Placenta noch enthaltenden Uterus eine Kompression aus- zuüben im Stande ist. In der That scheinen die Weiber mancher Urvölker eine solche Situation in der dritten Geburtsperiode fast umA’illkürlich anzunehmen. Von Melanesiern wissen Avir ebenfalls etwas Bestimmteres. Nach Eugen Viuson’s-) Angabe, Avelcher auf der Insel »De la Reunion« geboren wurde und in Paris als Arzt promovirte, stehen auf Neukaledonien, Avie auf anderen Archipelen Oceaniens, gewöhnlich eigne Frauen bei den meist normalen Geburten den Weibern bei; diese helfenden Frauen trennen ganz einfach den Nabelstrang mit einer Bambusplatte oder Muschel und befestigen dann den Placeutartheil desselben an die grosse Zehe der ]\hitter, der Natur die Trennung überlassend. Übrigens Avurde schon auf dem Wege der experimentellen Be- obachtung festgestellt, Avie die Nachgeburtsperiode bei Frauen 1) G. Klemm, Allgem. Kulturgescli. I. S. 291. 2) E. Vinsou, Elements d’une Topograpliie med. de la nouvello CaU- donie et de l’ile de Pins. Tliese. Paris 1858.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22291994_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


